Mazedonien erwägt Verfassungsänderung zu Gunsten der Albaner

31. Mai 2001, 13:59
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Teilamnestie für Rebellen erwogen - Gebietstausch mit Albanien?

Skopje/Vilnius - Der mazedonische Staatspräsident Boris Trajkovski und Ministerpräsident Ljuben Georgievski wollen den Konflikt mit der albanischen Minderheit mit Verfassungsänderungen lösen. Mit diesen Verfassungsänderungen soll den Albanern im Land der von ihnen geforderte Status eines staatstragenden Volkes verliehen werden. Insbesondere soll Albanisch neben Mazedonisch zur zweiten Amtssprache werden. Auch die Erwähnung der orthodoxen Kirche in der Verfassung könnte dann gstrichen werden.

Bisher hatte die Regierung Verfassungsänderungen zugunste der Minderheit mit der Begründung abgelehnt, dies würde zur Spaltung und zum Zerfall Mazedoniens führen.

Für Aufsehen und heftige Reaktionen sorgt in Skopje gleichzeitig ein Vorschlag der Wissenschaftsakademie. Diese hat einen Gebiets- und Bevölkerungsaustausch mit Albanien vorgeschlagen. Demnach sollen dem Nachbarland die mehrheitlich von der albanischen Minderheit bewohnten Regionen Westmazedoniens, darunter die Städte Tetovo, Gostivar und Debar zufallen. Mazedonien würden die albanischen Teile im Bereich des Ohrid- und des Prespansees mit ihrer slawischer Bevölkerung zufallen. er Vorschlag sieht auch die Aussiedlung der albanischen Bevölkerung aus Skopje, Veles, Kumanovo, Bitola und anderen Städten in die Regionen Westmazedoniens vor, die dem Nachbarstaat zufallen würden.

Opposition sieht "Auftakt zu einem blutigen Krieg"

Den Medienberichten zufolge war der Vorschlag vor einigen Tagen im Kabinett des mazedonischen Präsidenten Boris Trajkovski erwogen worden. Die ersten Reaktionen in politischen Kreisen waren negativ. So nannte der Oppositionsführer und frühere Ministerpräsident Branko Crvenkovski die Idee eines Gebietsaustausches als "Atombombe" und "Auftakt zu einem blutigen Krieg". Unterstützung fanden die Akademiker bei Parlamentspräsident Stojan Andov, der von einer "interessanten Idee" sprach.

Regierungschef Georgievski kündigte aber auch an, den Kampf gegen die albanischen Rebellen im Grenzgebiet zum Kosovo bis zum Sieg weiterzuführen. Doch erwägt die mazedonische Regierung eine Teilamnestie für albanische Rebellen im Norden des Landes. Präsident Boris Trajkovski wolle alle Mitglieder der selbsternannten "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) begnadigen, die keine "schweren Vergehen" begangen hätten, sagte ein Mitarbeiter des Präsidenten am Donnerstag in Skopje. Bereits am Vortag hatte Ministerpräsident Georgievski angekündigt, dass er sich dem "Prinzip einer Amnestie im Rahmen einer friedlichen Gesamtlösung" nicht widersetzen werde. (APA/AP/dpa)

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