Stabile Preise auf sensiblen Märkten

30. Mai 2001, 22:27
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Gefangen im engen Gesetz-Korsett

Der Milchmarkt in Österreich war und ist durch seine straffen Preisregelungen etwas komplexer als andere Märkte. Durch den Beitritt zur EU jedoch verkomplizieren sich die Vorgänge. Die Agrarpolitik der Europäischen Union visiert auf dem Sektor Milch und Milchprodukte ebenfalls die Absicherung eines Richtpreises für die gesamte angelieferte Milch an. Geschehen soll dies auf dem Binnenmarkt durch festgesetzte Interventionspreise für Butter und Magermilch-Pulver. Darüber hinaus sorgen Beihilfen für die Absatzförderung ausgesuchter Milchprodukte.

Der Abteilung "Milch" der Agrarmarkt Austria obliegt die Umsetzung der EU-Verordnungen. Maßnahmen wie etwa der Ankauf von Butter und Magermilch-Pulver mögen eine Entlastung des Marktes bewirken oder dazu beitragen, Saisonschwankungen auszugleichen.

Konsolidierung

Zum kurzfristigen Ausgleich von Erzeugung und Absatz dient die private Lagerhaltung von Butter und Käse. "Ziel von Beihilfemaßnahmen ist die Marktstabilisierung durch die Förderung des Absatzes, beispielsweise bei Butterfett, Milch oder Butterschmalz", hört man von Agrarmarkt Austria. Sie verwaltet auch die Quoten der Milcherzeuger: "Im Jahr 1998 wurden etwa 74.000 einzelbetriebliche Anlieferungsreferenz-Quoten neu berechnet und den Landwirten mitgeteilt." Geschieht der Handel mit Drittländern, so wurden Sonderregelungen eingeführt und obendrein braucht es Ein-und Ausfuhrlizenzen, die ebenfalls von der AMA ausgestellt werden. In den Monaten Jänner bis März 2001 lag die Milchanlieferung im Inland mit 646.663 Tonnen um 0,8 Prozent über der Vorjahres-Menge. Bis auf die Steiermark zeigen alle Bundesländer Pluswerte. Der Auszahlungspreis für Lieferanten ist gewissen Schwankungen unterworfen. Im letzten Jahr betrug er laut AMA durchschnittlich 4,22 Schilling pro Kilo.

Förderung

Die Maßnahme zur Verbrauchsförderung von Milch und Milcherzeugnissen in der EU sieht einfach aus: "Im Rahmen eines von der Europäischen Kommission genehmigten Programms können natürliche oder juristische Personen die Finanzierung von Maßnahmen zur Förderung der Vermarktung und des Verbrauchs von Milch und Milchprodukten beantragen. Da Milch aus der EU allgemein gefördert werden soll, darf kein Bezug auf eine besondere Marke, Firma oder Region genommen werden." Eine Verordnung, die ohne unverständlichen Paragraphensalat und tausend Zusätze oder Ausnahmeregelungen auskommt.

Die Schulmilch-Aktion ist eine besonders beliebte Variante der gesundheitlichen Vorsorge. Die Genehmigung als Lieferbetrieb wird allerdings erst nach Antragstellung von der AMA erteilt. Jede Schule hat, bevor sie in den Genuss der Aktion kommt, eine Verpflichtungserklärung zur Einhaltung der Rechtsgrundlagen abzugeben. Darüber hinaus muss die Schule als Berechtigungsgrundlage die Schülerzahl, die Schultage pro Monat und die daraus errechnete Höchstmenge, für welche eine Stützung für Schulmilch bezogen werden kann, der AMA jährlich übermitteln. Die Höchstmenge beträgt ¼ Liter qualitätskontrollierte Milch pro Schulkind und Tag. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.5.2001)

Von Dodo Kresse
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