Globales Lebensmittel

30. Mai 2001, 21:17
posten

Auf dem Milky Way um die Welt

Einfache Beschaffbarkeit, leichte Konsumierbarkeit und hoher Nährwert machen die universelle Beliebtheit der Milch aus. Dazu kommt noch ihr Gehalt an Mineralstoffen, Proteinen und Vitaminen. Außerdem lässt sich frische Milch nach kurzzeitigem Erhitzen (Pasteurisieren) gut mehrere Tage lang aufbewahren. Und auch Krankheitserreger kann man mit ihrem Genuss vernichten.

Kinder vertragen Milch im allgemeinen ausgezeichnet. Dafür sorgt das körpereigene Enzym Laktase, welches den Milchzucker aufspaltet, der dadurch erst im Darm resorbiert werden kann. Vielen Erwachsenen asiatischer und afrikanischer Abstammung fehlt dieses Enzym jedoch, wodurch Milchgenuss bei ihnen eher abführende Wirkung hat. Und auch Europäer verlieren nach jahrelanger Milchabstinenz das Laktase-Enzym, sind aber in der Lage, es sich im Erwachsenenalter wieder "anzutrainieren".

Mit Erfindung des Kühlschranks und der haltbaren, eingedickten Kondensmilch setzte 1834 die große Verbreitung von Milcherzeugnissen in Nordamerika ein. Hauszustellungen durch den legendären Milchmann erreichten in den besten Zeiten zwar nur eine Abdeckung von maximal zehn Prozent, verhalfen der Milch aber zu ihrem guten Image und ihrer ungeheuren Popularität.

Länder mit unzureichenden Möglichkeiten zur Milchkuhhaltung und Kühllagerung decken ihren Bedarf durch Trockenmilch-Pulver. Will man dabei aber Krankheiten - wie sie in der Vergangenheit leider in Afrika auftraten - vermeiden, ist eine Aufbereitung mit sauberem Trinkwasser unerlässlich.

In reichen arabischen Staaten wie Saudi Arabien gibt es den Trend, eine eigene Trinkmilch-Erzeugung mit Importvieh aus Europa aufzubauen. Mit dem ehrgeizigen Ziel, den gesamten Mittleren Osten zu beliefern. Andere afrikanische Länder wie Mauretanien setzen lieber auf die heimischen Milchtiere Ziege und Kamel und erzielen bei moderner Verarbeitung qualitativ hochwertige Produkte.

In Indien beträgt der Tagesbedarf durchschnittlich 6,1 Mio. Liter Milch. Täglich werden 450 t Milchpulver selbst erzeugt. Der ostasiatische Raum ist traditionell wenig Milch-orientiert. In Japan etwa beträgt der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch an Trinkmilch 140 ml. Das ist etwa ein Drittel dessen, was z. B. in Dänemark konsumiert wird, und weniger als die Hälfte des Bedarfes in den USA. Ein Grund dafür ist, dass Milch nur als Getränk und Kindernahrung eingestuft wird und für die Speisen-Zubereitung keine Verwendung findet.

Dennoch ist Milch das Grundnahrungsmittel mit der größten Wachstumsrate. Das liegt vielleicht weniger am Mode-Trend, dass der Milchgenuss an US-amerikanische Gewohnheiten angelehnt wird, als an deren tierischen Produzenten, den Kühen, die immer noch als faszinierend exotische Geschöpfe ihre Bewunderer finden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.5.2001, adsy)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.