Qualität verpflichtet

30. Mai 2001, 21:14
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Die BSE-Krise hat der österreichischen Milchwirtschaft nicht viel anhaben können

Als man Herrn und Frau Österreicher vor einigen Jahren fragte, auf welche heimischen Produkte sie besonders stolz seien, landeten "Milch, Milchprodukte und Molkereien" an erster Stelle - vor Kultur (Platz drei) und Wein (Platz sechs). Und das, obwohl der Konsum von Frischmilch hierzulande - wie in allen westlichen Industrieländern - im Vergleich zur Nachkriegszeit stark zurückgegangen ist: Lag der Verbrauch von Milch damals pro Kopf und Jahr noch bei rund 150 Litern, waren es 1999 nur mehr 74,7 Liter.

Gewinne trotz BSE

Seit der BSE-Krise sehe die Sache jedoch wieder etwas anders aus, sagt Gerold Hackl, Produktmanager der "Weißen Palette" (Milch, Joghurt, Topfen und Obers) der Berglandmilch-Gruppe: "Wert- und mengenmäßig ist die Frischmilch in den letzten Jahren zwar immer um ein bis zwei Prozent gesunken, in den ersten 14 Wochen von 2001 allerdings wertmäßig um über fünf Prozent gestiegen."

Auch Johann Költringer, Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, bestätigt den Aufschwung für die Milch-wirtschaft: "BSE hat dazu geführt, dass die Leute weniger Fleisch essen, aber dafür mehr zu Milch und Milchprodukten greifen."

Laut internationaler Expertenmeinung besteht beim Genuss von Milch derzeit kein BSE-Risiko. Zweifel an der Unbedenklichkeit ihres Verzehrs waren aufgetreten, weil eine Übertragung von Prionen, den BSE-Krankheitserregern, über das Euter-Gewebe in die Milch nicht auszuschließen sei. "Hundertprozentige Sicherheit kann einem bei BSE derzeit natürlich niemand geben", sagt Ernährungswissenschafterin Angela Mörixbauer vom Verein für Konsumenteninformation in Wien. "Solange keine neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen, ist aber davon auszugehen, dass Milch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit unbedenklich ist." Die geäußerten Zweifel hätten die Konsumenten aber dennoch verunsichert: Noch immer kämen laufend Anfragen zu Milch und BSE. Außerdem sei das Bewusstsein der Bevölkerung in Bezug auf die Herkunft der Milch gewachsen, so die Ernährungswissenschafterin.

Die heimische Milchwirtschaft sei generell recht unbeschadet durch die BSE-Krise gekommen, meinen die Fachleute. "Milchprodukte sind mit dem Tatbestand BSE nie verknüpft gewesen - das Image der Milch hat damit nicht gelitten", sagt etwa Maria Bauernfried, Milchexpertin der Agrarmarkt Austria (AMA), deren Gütesiegel auf Milchverpackungen für die hundertprozentig österreichische Herkunft der Milch bürgt. Und Gerold Hackl von Berglandmilch meint, dass das Image der Milch überhaupt "nie schlecht gewesen sei": "Milch ist nicht modern, aber gesund, und genau damit müssen wir Werbung machen."

Der Anstieg der Werbeausgaben in den letzten Jahren zeige die große Bedeutung der Werbung für die Milchwirtschaft, meint Johann Költringer: "Mit der Liberalisierung des Marktes durch den EU-Beitritt Österreichs ist auch die Produktvielfalt gestiegen. Wir müssen also schauen, dass wir im täglichen Kampf in den Regalen gegen die ausländischen Mitbewerber auch weiterhin bestehen."

Ja zu A

Bisher seien die Konsumenten den österreichischen Produkten jedenfalls treu geblieben und der Inlandsmarkt weitgehend gehalten worden. Das bestätigt auch eine Marktforschungsstudie der AMA: Bei der Frage nach den Anforderungen an die Qualität von Milch etwa bestanden 75 Prozent auf einem österreichischen Erzeugnis. Insgesamt gaben die Österreicher und Österreicherinnen danach im Jahr 2000 durchschnittlich 2093 Schilling pro Haushalt für Milch und Milchprodukte aus der "Weißen Palette" aus. Frische, Qualität und kontrollierte Herkunft würden dabei als primärer Kaufanreiz gelten.

Die Produktvielfalt in den Kühlvitrinen bringe natürlich auch eine größere Variation an Kundenwünschen mit sich, auf die man reagieren müsse, sagt Költringer: "Der Trend geht derzeit hin zu mehr Gesundheitsbewusstsein und damit auch verstärkt zu Produkten wie Leichtmilch oder probiotische Milcherzeugnisse". Und auch die AMA-Studie ortet am heimischen Milchmarkt steigende Nachfrage nach innovativen Produkten: Die Frischmilch befände sich auf dem Rückzug, dafür würden fettarme Milchsorten beim Konsumenten punkten. Im Wachsen begriffen sei auch der Markt für Bio-Erzeugnisse, sagt Költringer: "Die Verbraucher wollen natürliche Milch und Produkte ohne Zusätze. Die Frage ist allerdings, ob es langfristig bei der höheren Nachfrage bleiben wird, deshalb weiten wir diesen Markt nur vorsichtig aus."

Im Moment sei die Milchabsatzlage jedenfalls weltweit relativ gut, was auch ein Blick ins Nachbarland Deutschland zeigt: "Schon letztes Jahr waren die Preise für Milch, Butter und Käse bei uns gestiegen", erklärt Winfried Meier vom deutschen Milchindustrieverband. "In den letzten Monaten wurden sie wegen Verknappung der Rohstoffe dann wieder angehoben." (DER STANDARD, Print-Ausgabe,31.5.2001)

Von Isabella Lechner

Das Image der Milch sei positiv, die Nachfrage steigt. Heimische Erzeugung gilt als primärer Kaufanreiz und innovative Produkte sind gefragt.

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