Doch keine "Walküre" in Jerusalem

30. Mai 2001, 21:00
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Nach Protesten und Missverständlichem

Jerusalem/Berlin - Richard Wagners Oper "Die Walküre" wird nun doch nicht im Juli beim Israel Festival in Jerusalem aufgeführt. Unter massivem Druck israelischer Politiker und Institutionen sagte die Leitung der Festspiele am Mittwoch das Konzert der Berliner Staatskapelle ab, die unter der Leitung von Daniel Barenboim den ersten Akt der Oper konzertant aufführen wollte.

Barenboim hatte noch vor wenigen Wochen erklärt, er wolle sich dem politischen Druck in Israel nicht beugen, am 21. Mai dann aber von "missverständlich interpretierten" Äußerungen gesprochen und betont, dass er keinesfalls vorhabe, "missionarisch" für die Wagner-Aufführung zu kämpfen. "Ich habe lediglich darauf verwiesen, dass es logistisch problematisch ist, das Konzertprogramm mit denselben Solisten zu ändern", betonte der künstlerische Leiter der Berliner Staatsoper. Barenboim ergänzte in der in Berlin veröffentlichten Erklärung, dass man zusammen mit der Leitung des Festivals "verschiedene Optionen" diskutiere.

Gegen die Aufführung der Oper hatte unter anderem das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem eine einstweilige Verfügung beantragt. Öffentliche Aufführungen der Musik des als Antisemit geltenden Wagner sind in Israel noch immer ein Tabu. Wie die Festspielleitung weiter mitteilte, werde das Berliner Orchester unter Barenboim nun Werke von Robert Schumann und Igor Strawinsky spielen. (APA/dpa)

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