Bioethik in Österreich

30. Mai 2001, 20:47
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Ruhe nach dem Sturm ...

Während in Deutschland seit Wochen eine heftige Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern des rigorosen Embryonenschutzgesetzes geführt wird, flackerte in Österreich eine solche Debatte nur kurz auf. Der Gynäkologe und "Hormonpapst" Johannes Huber forderte - ähnlich wie die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) - die Freigabe von "überzähligen" Embryonen aus der künstlichen Befruchtung. Außerdem plädierte er dafür, die Aufbewahrungsfrist für diese Embryonen von derzeit einem Jahr (dann müssen sie zerstört werden) auf fünf Jahre zu erhöhen, weil sonst Patientinnen, die sich Krebsbehandlungen unterziehen müssen, benachteiligt würden.

Huber fand zunächst mit beiden Forderungen Zustimmung bei den Gesundheitssprechern aller Parteien, heftiger Widerspruch kam allerdings von den Vertretern der Kirchen. Politische Einigkeit besteht weiterhin in der Frage der Aufbewahrungsfrist. Ein Antrag auf Verlängerung müsste jedoch neu ins Parlament gebracht werden, da er mit Ende der Legislaturperiode 1999 verfallen ist.

Das aus dem Jahr 1992 datierende österreichische Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) regelt den Embryonenschutz ähnlich rigoros wie das deutsche Embryonenschutzgesetz. Es untersagt die Verwendung von Ei- und Samenzellen sowie von Embryonen zu jedem anderen als dem Zweck der Fortpflanzung und verbietet die Präimplantationsdiagnostik (PID), also die Untersuchung des Embryos auf Erbkrankheiten vor der Einbringung in die weiblichen Geschlechtsorgane. Kritiker des Gesetzes weisen darauf hin, dass es ethisch problematisch sei, die PID zu verbieten, während nach einer späteren Diagnostizierung von schweren Erbkrankheiten die Abtreibung auch noch im achten Schwangerschaftsmonat erlaubt ist.

Mit der Bekanntgabe der Mitglieder einer 18-köpfigen Bioethik-Kommission (Vorsitz: Johannes Huber) durch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel endete die kaum begonnene Debatte auch schon wieder. Sowohl ÖVP als auch SPÖ kündigten aber an, noch vor dem Sommer Positionspapiere zum Thema Bioethik vorzulegen. (fle, DER STANDARD, Print-Ausgabe 31. 5. 2001)

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