FP verschärft Gangart in Klagenfurt

30. Mai 2001, 20:11
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Personalrochade im Stadtsenat - "Kampfsignal" an VP-Bürgermeister Scheucher

Klagenfurt - Die Freiheitlichen verschärfen die Gangart in der Landeshauptstadt gegen ihren Koalitionspartner ÖVP. Überraschend verkündete am Mittwoch der Kärntner FP-Obmann Jörg Freunschlag eine Personalrochade im Klagenfurter Rathaus. Vizebürgermeister und Finanzreferent Gustav Possegger wird gegen den bisherigen Gemeindrat und Unternehmer Mario Canori ausgetauscht. Sozial-und Wohnbaustadträtin Renate Kansovski-Wintermann muss ihren Sessel zugunsten des bisherigen Bezirksobmanns und Landtagsabgeordneten Christian Scheider räumen, der gleichzeitig als "Scharfmacher" im Klagenfurter Klub die neue FP-Linie vorgeben wird. Wintermann wechselt in den Bundesrat, Possegger verabschiedet sich in die Privatwirtschaft. So ganz freiwillig dürften die beiden nicht gegangen sein. Possegger erschien gleich gar nicht zur Pressekonferenz und Wintermann gab sich "tapfer" und "freut" sich auf ihre neue Aufgabe.

"Wir wollen das Heft in Klagenfurt stärker in die Hand nehmen, weil die Zukunftsentwicklung der Stadt gefährdet ist", erklärt Freunschlag die Rochade, die er als Kampfsignal an die "One-Man-Show" des Klagenfurter VP-Bürgermeisters Harald Scheucher verstanden wissen will.

Der hat sich in jüngster Zeit immer öfter freiheitlichen Begehrlichkeiten entgegengestellt. Etwa beim "Städtekrieg" mit Villach um das Milliardenprojekt der Putzi-Arena, wo Scheucher die Diskussion, die Landeshauptmann Jörg Haider angezettelt hatte, mit einer für Klagenfurt negativen Studie abwürgte.

Außerdem erzürnt die Freiheitlichen Scheuchers Verhalten im Zusammenhang mit dem Verkauf der Wörthersee-Bühne, der ebenfalls eine "Erfindung" von Haider war. Scheucher weigert sich, drei Hektar des öffentlich zugänglichen Seeufers der neuen Betreibergesellschaft kostenlos für "Infrastrukturmaßnahmen" zur Verfügung zu stellen. Scheuchers Haltung wurde von der SPÖ im Stadtsenat unterstützt. Damit könnte der Verkauf in letzter Minute doch noch platzen. (stein/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. Mai 2001)

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