Mit OGH zum neuen Job

31. Mai 2001, 23:35
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Hochkofler nach Kampf gegen steirische Landesregierung nun für "Sonderaufgaben" zuständig

Graz - Annelie Hochkofler wird ihren Dienst in der Kulturabteilung der steirischen Landesregierung am kommenden Freitag - wieder - antreten. Die ehemalige steirische "Kulturbotschafterin" in New York hat ihre Wiederbeschäftigung beim Land eingeklagt - in einem langen Rechtsstreit; in drei Jahren, die sie gerne vergessen würde.

Am Anfang der Geschichte stand ein Rohbericht des Landesrechnungshofes, der einen "lukrativen Sondervertrag" für sie und hohe Spesenforderungen anprangerte. Hochkofler wurde vom Land Steiermark gekündigt, sie konterte mit dem Arbeitsgericht.

Zwei Klagen, zwei Berufungen und zwei Anrufungen des Höchstgerichts später muss die Organisatorin der Übersee-Ausstellung "Imperial Austria" bei vollen Bezügen wieder eingestellt werden, zwei Millionen sind ihr an Gehältern nachzuzahlen.

"Ich habe es als politischen Auftrag gesehen, mich für andere hilflose Bürger gegen die politische Willkür zu wehren", sagt die Zeughaus-Dame heute. Am meisten habe sie jedoch getroffen, dass ihre Mutter ihretwegen ernsthafte gesundheitliche Probleme bekommen habe. Viele Freunde hätten sie fallen gelassen. Es sei unmoralisch, einen Vertrag so auszureizen, höre sie noch heute "hintenrum".

Ihre engsten Freunde, Bernd Schilcher, Wolfgang Waldner (Museumsquartier), Ex-ORF-Intendant Ernst Wolfram Marboe, Brigitte Klement, Alois Mock, sagen unisono, ihr sei großes Unrecht geschehen. "Wer sie kennt, weiß, dass sie privat großzügig ist, aber mit öffentlichen Geldern sorgfältig umgeht", betont Schilcher. Keiner habe die andere Seite der Annelie Hochkofler sehen wollen; das hätte auch nicht ins Bild der "Luxuslady", die angeblich auf Steuerkosten ein feudales Leben führte, gepasst. Schilcher hält dagegen: Sie habe 780 Millionen Schilling Sponsorengelder aufgetrieben, für die Imperial-Austria-Shows in Australien Designer Preise eingeheimst, 3,2 Millionen Besucher mobilisiert und 300 Millionen Schilling für die geplante Asien-Tour gesammelt.

Sie war elf Jahre lang Tag und Nacht für die Steiermark im Einsatz, loben Ernst Wolfram Marboe und Wolfgang Waldner. Marboe: "Wenn jemand etwas Außergewöhnliches leistet, kommt die anonyme Neidgesellschaft und trampelt ihn nieder".

Schilcher findet es empörend, dass der Landesrechnungshof "gesetzwidrig gegen eine Person ermittelt" hat. Ex-umweltministerin Ruth Feldgrill-Zankl: Mit einem falschen Bericht seien die Medien und Öffentlichkeit hinters Licht geführt, eine Erfolgsstory gekillt und ein Mensch, der korrekte Arbeitet leistete, fast vernichtet worden.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 5. 2001)

"Sonderaufgaben"

Hochkofler ist ab Freitag, in der Kulturabteilung des Landes tätig, nach Angaben des zuständigen Beamten für die Bereiche Erwachsenenbildung, die Schnittstelle zwischen Kultur und Tourismus sowie "Sonderaufgaben" zuständig. Für sie sei "kein neuer Job" geschaffen worden, hieß es auf Anfrage: "Wenn wir sie nicht hätten, hätte es jemand anderer machen müssen".

Durch die derzeit im Gang befindliche Einrichtung eines Referats für Volkskultur wären "Umstrukturierungen" notwendig, die frei gewordenen Arbeiten, darunter die Befassung mit Rahmenprogrammen für die nächsten Landesausstellungen, würde Hochkofler übernehmen. Unter "Sonderaufgaben" fällt etwa die Betreuung des für nächstes Jahr geplanten Polen-Ausstellungsschwerpunkts. (APA)

Von
Denise Leising

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