Offen sein für Kunst "von drüben"

30. Mai 2001, 20:39
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hausART: Wie eine Weinviertler Initiative die starren Grenzen Richtung Osten überwindet

Bratislava/Breclav/Mistelbach - Bauernwald und Blütenduft und dichtes, wogendes Gras am Rande der Straße nach Plavecký Stvrtok. Alle paar Minuten rauscht ein Auto vorbei, hin und wieder schwitzt ein Radfahrer unter der Sonne: eine Welt wie vor dreißig Jahren, nur elf Kilometer von Gänserndorf entfernt. Gleich hinter der March, in der Westslowakei.

Eine aus Weinviertler Sicht oftmals vergessene Welt: "Jetzt leb' ich zehn Jahre lang hier und kann noch immer kein Wort Slowakisch", übt sich Martha Plößnig in Selbstkritik. Der Keramikerin und Kulturmanagerin mit Wohnort Niedersulz waren Grenzen "schon immer schwer verständlich". Sprachliche Grenzen ebenso wie solche, die Nachbarn zu Fremden machen: Plößnig stammt aus Kärnten.

Weshalb die Künstlerin zur Grenzüberwindung schritt. Ihr Konzept, vom EU-Kleinprojektefonds mit 50.000 Schilling (3633,64 ) unterstützt: hausART. Malerei und Bildhauerkunst aus Österreich, Tschechien und der Slowakei, wechselseitig ausgestellt in Wohnzimmern und einem Keller, einer Garage und einem Stadl, einem Presshaus und einer Rotunde diesseits und jenseits der Grenzen. Weil "niemand sein Haus öffnet, ohne ein gewisses Vertrauen an den Tag zu legen", wie Plößnig meint. Probleme, erzählt sie, habe vor allem der Zoll gemacht.

"Es waren über 100 Leute hier", erinnert sich Ivan Lehotský, ehemaliger "Prager Frühling"-Aktivist, Theologe und Hofinhaber aus Plavecký Stvrtok, an "seine" Feier samt Lesung, Chor und Volksmusik am 20. Mai. Prominente seien zu der Eröffnung einer Ausstellung von Bildern des Österreichers Leopold Landrichter und des Tschechen Robert Hacek gekommen. Der "slowakische Günter Grass" Ladislav Tazký etwa, aber auch "heimische Künstler, die ohne Unterstützung nicht einmal das Geld haben, mit der Bahn hierher zu reisen".

Was ihn am meisten beeindruckt hat: Wie viele unter den Besuchern aus dem Weinviertel erzählten, vorher noch niemals in der Slowakei gewesen zu sein. Doch, wie Lehotský weiß, "das ist eben eine schwierige Grenze hier".
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 5. 2001)

Von
Irene Brickner

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