Ärzte und Sozialversicherung einig über Sparmaßnahmen

30. Mai 2001, 20:50
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Durch Verschreibung von Generika sollen Kosten gesenkt werden

Wien - Ärzte und Sozialversicherung haben Mittwoch nachmittag eine Grundsatzeinigung über Einsparungen erzielt. Wie Staatssekretär Reinhart Waneck mitteilte, habe man sich auf ein Vier-Punkte-Programm geeinigt. Schätzungen zufolge sollen die Einsparungen damit zwischen 800 Millionen und 1,3 Milliarden Schilling liegen.

Das entspreche fast einem Drittel des erforderlichen Einsparungspotentials der Kassen. Erreicht werden soll das vor allem durch eine Senkung der Kosten für die Arzneimittel und durch eine Abrechnung über EDV.

Erreicht haben diese Grundsatzvereinbarung der Hauptverband der Sozialversicherungsträger, die Ärztekammer und die niedergelassenen Ärzte. Beide Seiten seien bereit, vorbehaltlich ihrer Gremien diese Grundsatzvereinbarung zu paraphieren, erklärte Waneck.

Punkt 1

Erster Punkt der Grundsatzvereinbarung mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist laut Staatssekretär Reinhart Waneck (F) eine Senkung der Kosten von Medikamenten, die die Ärzte verschreiben. Das sogenannte Medicom-Projekt Oberösterreichs solle in Form eines Arzeneimitteldialogs bis 1. Juli auf alle Bundesländer ausgeweitet werden, die das bisher noch nicht umgesetzt haben.

Demnach sollen die Ärzte das jeweils kostengünstigere Medikament verschreiben, wenn keine medizinische Indikation dem entgegen steht. Verstärkt sollen sogenannte Generika eingesetzt werden. Das sind Medikamente, die kostengünstig hergestellt werden können, wenn die Patentrechte des Originalmedikaments abgelaufen sind. Die Einsparungen daraus sollen sowohl an die Kassen auch an die Ärzte zur Finanzierung neuer Leistungen fließen.

Punkt 2

Zweiter Punkt der Vereinbarung ist die Umstellung der Abrechnung zwischen Ärzten und Kassen auf EDV bis Ende 2002. In Wien, wo derzeit erst knapp 20 Prozent der Ärzte via EDV abrechnen, kann die Umstellung auch etwas länger dauern, wenn es sich innerhalb dieser Frist nicht ausgehen sollte. Ärzte, die dieses Umstellung vor dem 30. Juni 2002 vornehmen, bekommen einen einmalige Prämie von 10.000 Schilling als Bonus.

Punkt 3

Drittens geht es darüber hinaus um eine Intensivierung der elektronischen Kommunikation. Im Zusammenhang mit der Einführung der Chipkarte statt des Krankenscheins wird dabei auch an das "elektronische Rezept" und eine elektronische Krankmeldung gedacht.

Punkt 4

Vierter Punkt ist schließlich eine Vereinbarung über die Analyse von Folgekosten und Strukturen, damit es nicht bei Einmal-Effekten bleibe, wie Waneck erläuterte.

Der Staatssekretär erklärte, er sei "zu einem Drittel zufrieden", zumal mit diesen Einsparungen auch etwa ein Drittel des vorhergesagten Abgangs der Kassen abgedeckt werden könne. Positiv bewerte auch der Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Jörg Pruckner, die Vereinbarung. Er erwartet seitens der Ärzte eine Zustimmung dazu - allerdings mit einer Ausnahme. In Kärnten gebe es derzeit keinen gültigen Vertrag zwischen Kasse und Ärzten. Es sei zwar ein neuer ausverhandelt, das Geld zur Umsetzung fehle aber noch. Solange dies nicht geklärt sei, sei mit einer Zustimmung Kärntens nicht zu rechnen. Er habe aber das Gefühl, dass dies demnächst geschehen werde, sagte Pruckner.

Offen sind damit noch die Gespräche mit der pharmazeutischen Industrie und den Apothekern sowie vor allem mit dem Hauptverband. Auch eine gemeinsame Sitzung mit den Sozialpartnern sei noch geplant, kündigte Waneck an. (APA)

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