Arno Mohr, Doyen deutscher Zeichner (1910-2001)

30. Mai 2001, 17:39
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Chronist Berlins und Bewahrer des Handwerks

Berlin - Arno Mohr, einer der bekanntesten ostdeutschen Zeichner, ist , wie seine Familie am Mittwoch mitteilte, schon am 23. Mai im Alter von 90 Jahren in Berlin verstorben. Die Beisetzung fand am Dienstag im engsten Familienkreis auf dem Französisch- Reformierten Friedhof in Berlin statt, wo auch Theodor Fontane begraben ist. Mohrs beherrschende Themen waren Berlin und die märkische Umgebung, aber auch Theaterbilder. Zum 90. Geburtstag im Juli vergangenen Jahres war er mit umfassenden Ausstellungen gewürdigt worden.

Die Berliner Akademie der Künste, deren Mitglied Mohr seit 1970 war, würdigte in ihrem Nachruf auch Mohrs Engagement bei der Zusammenführung der beiden Berliner Akademien nach dem Fall der Mauer. Schon in den 50er Jahren baute Mohr die Druckwerkstatt am Pariser Platz auf, die zu einem wichtigen Treffpunkt von Künstlern West- und Ost-Berlins wurde. Sowohl in der Akademie als auch in der Kunsthochschule Berlin-Weißensee habe der Künstler handwerkliche Maßstäbe gesetzt.

Bedeutung hat sich der in Posen geborene und in Berlin aufgewachsene Mohr vor allem als Zeichner und Grafiker erworben. Von seiner "Großstadtwiese" meinte er einmal: "Fremde, die Berlin rau, ruppig und hässlich finden, werden vielleicht sagen, meine Wiese sei voller Unkraut. Für mich sind das alles Blumen."

Der unbestechliche Blick des Spätimpressionisten mit seiner markanten, äußersten Verknappung des Strichs galt dem scheinbar Beiläufigen: Spreeangler und Parkbankbenutzer, schwimmende Enten, Blumen auf dem Fensterbrett, sogar die Fliege auf seiner Brille.

Blätter wie "Bauplatz Staatsoper" oder "Berliner Ensemble" mit seinen Gründern Helene Weigel und Bertolt Brecht erzählen vom östlichen Berlin in den 50er und 60er Jahren. Für die Kunstkritik setzte Mohr die Traditionslinie einer Käthe Kollwitz, eines Max Liebermann oder auch eines Adolph Menzel fort.

Für die offizielle DDR-Kulturpolitik gab es auf den Bildern zu wenig zu sehen, aber auch wenig zu beanstanden. Eine Ausnahme bei den eher seltenen staatlichen Ankäufen stellte das Märkische Museum in Ost-Berlin dar - womit das heutige Berliner Stadtmuseum über die umfangreichste Mohr-Sammlung verfügt.

Die Berliner Akademie der Künste würdigte das umfangreiche Lebenswerk ihres Mitglieds im Frühjahr vergangenen Jahres in einer Ausstellung. Die Berliner Galerie Lux ehrte ihn zum 90. Geburtstag mit einer Hommage. Privatsammler und Liebhaber seiner Kunst leben auch über zehn Jahre nach der Wiedervereinigung fast ausschließlich im Osten Deutschlands. (APA/dpa)

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