Bombenexplosion vor Schule in Netanya

30. Mai 2001, 20:40
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Sechs Schüler wegen Schocks behandelt - Sharon hält an einseitiger Waffenruhe fest

Jerusalem - Mehrere Stunden nach einer ergebnislosen Runde der Sicherheitsgespräche zwischen Israelis und Palästinensern ist am Mittwoch vor einer Schule in der israelischen Küstenstadt Netanya eine Autobombe explodiert. Sechs Personen erlitten einen Schock. Zu dem Anschlag bekannte sich die radikale Moslem-Gruppe Islamischer Dschihad (Heiliger Krieg). Zuvor hatte der israelische Regierungschef Ariel Sharon in einer Rede vor dem Parlament sein Festhalten an einer einseitigen Waffenruhe bekräftigt. Der palästinensische Präsident Yasser Arafat rief erneut zu einem Ende der Gewalt auf.

Arafat bekräftigte, er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um die Gewalt zu stoppen. "Wir bleiben der Vollendung des Friedensprozesses voll verpflichtet", sagte er nach einem Treffen mit dem schwedischen Ministerpräsidenten und amtierenden EU-Ratsvorsitzenden Göran Persson in Kopenhagen. Zugleich erklärte der palästinensische Präsident, sein Volk befinde sich in einem Belagerungszustand. Persson sagte, ein Ende der Gewalt sei die Voraussetzung dafür, dass die Europäische Union "eine konstruktivere Rolle bei der Suche nach einer politischen Lösung des Nahost-Konflikts" einnehme.

Gegenseitige Vorwürfe

Auf die ergebnislosen Sicherheitsgespräche vom Vorabend ging Arafat nicht ein. Die Gespräche waren auf Vermittlung des neuen US-Nahostbeauftragten William Burns zu Stande gekommen. Es war das erste Treffen dieser Art seit etwa zwei Monaten. Beide Seiten machten sich gegenseitig für den Stillstand verantwortlich. In einer Erklärung des israelischen Verteidigungsministeriums hieß es, die Palästinenser hätten es abgelehnt, dem Beispiel Israels zu folgen und eine Waffenruhe auszurufen.

Der palästinensische Sicherheitschef des Westjordanlandes, Amin el Hindi, sagte nach der zweistündigen Unterredung, Israel solle die Reisebeschränkungen der Palästinenser im Westjordanland aufheben. Ein anderer palästinensischer Gesprächsteilnehmer, Taufik Tirawi, erklärte, die Israelis seien die Aggressoren und die Palästinenser handelten in Selbstverteidigung.

Sharon zeichnete in seiner Rede vor der Knesset am Mittwoch ein anderes Bild. Er sagte, das Blut der Israelis koche, "und das zurecht". Dennoch bedürfe es der Mäßigung, um die Gewalt zu stoppen. (APA/AP)

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