Hohe Haftstrafen machen Verurteilte fassungslos

30. Mai 2001, 17:13
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Paris - Es war nur das erste Urteil in dem Reigen der absehbaren Schmiergeld-Prozesse rund um den früheren französischen Ölmulti Elf-Aquitaine. Doch die Haftstrafen, die Richterin Sophie Portier am heißen Mittwochnachmittag in Paris verkündete, schlugen ein wie eine Bombe. Die Verurteilten nahmen das Urteil ungläubig und fassungslos auf. "Ich verstehe nicht", wandte sich der 78-jährige ehemalige Außenminister Roland Dumas an seinen Anwalt. Der bestätigte ihm flüsternd das Verdikt der Richterin - zweieinhalb Jahre Haft, davon sechs Monate ohne Bewährung. In sich zusammengesunken blieb der Ex-Elf-Chef Loik Le Floch-Prigent noch lange nach dem Urteilsspruch mit einer ebenfalls deftigen Strafe auf der Anklagebank sitzen.

Nach einem Aufsehen erregenden Prozess um Sex, Lügen und Korruption in der französischen Metropole ist der sozialistische Politiker ganz besonders angeschlagen. Dumas war Francois Mitterrands brillanter Außenminister. Wegen des Skandals musste der inzwischen weißhaarige Lebemann im vergangenen Jahr sein Amt als Präsident des Verfassungsrates aufgeben.

Der Dumas-Prozess um Millionen-Zahlungen des Ölmultis an die Geliebte des Außenministers, Christine Deviers-Joncour, brachte wohl nur die Spitze des Schmiergeld-Eisbergs an das Tageslicht. Die langwierigen Ermittlungen um das derart ausgabefreudige Staatsunternehmen ziehen weite Kreise bis hin zu dem Verkauf moderner Fregatten an Taiwan und die mutmaßlichen dunklen Milliarden-Transfers im Fall der ostdeutschen Leuna-Raffinerie. Stark und symbolisch seien die Urteile ausgefallen, meinten die französischen Medien zu den hohen Freiheits- und Geldstrafen auch für den schillernden Ex-Manager Alfred Sirven.

Im französischen "Dallas" wurden die unsauberen Details aus der feinen Pariser Gesellschaft rund um den Lebemann Dumas und seine Mätresse genüsslich in den Medien ausgebreitet. Die spektakuläre Festnahme des 74-jährigen Sirven nach seinem süßen Leben auf den Philippinen drohte den gesamten Prozess noch einmal durcheinander zu wirbeln. Doch der Mann, der 500 Millionen Franc (76,2 Mill. Euro/1,049 Mrd. S) zusammengerafft und sich dann für Jahre abgesetzt hatte, hüllte sich in tiefstes Schweigen. Die gestrenge Pariser Justiz hat jedoch den geschickt operierenden Sirven kalt abblitzen lassen. Er wollte sein Wissen auspacken - als Gegenleistung für eine milde Strafe.

Dumas, feiner Herr und Gesellschaftslöwe, ein vielsprachiger und gewandter Anwalt, soll für ein halbes Jahr hinter Gitter. Ein paar Edel-Schuhe im Wert von 11.000 Franc (1.677 Euro/23.075 S), die seine Geliebte einst für ihn per Kreditkarte bezahlt hatte, leiteten seinen Abstieg ein. Er hat immer abgestritten, von möglichen Elf-Zahlungen an die Dame profitiert zu haben, und sich so als Opfer übereifriger Juristen gesehen. Gesundheitlich angeschlagen, wurde es um den Mann, der einst auf so vielen Hochzeiten getanzt hatte, immer stiller. (APA)

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