Präimplantations- diagnostik erfreut sich zunehmender Beliebtheit

30. Mai 2001, 15:16
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Länder mit Verbot befürchten "PID-Tourismus"

Wien - Menschliche Embryonen werden in vielen Ländern bereits nach der in Österreich, Portugal, Schweiz und Deuschland verbotenen Präimplantationsdiagnostik (PID) auf genetische Defekte getestet. In Deutschland, wo die Diskussionen über Zulassung einer PID im Augenblick besonders heftig geführt werden, wurden bereits erste "PID- Touristen" ins europäische Ausland bekannt.

In Österreich ist die Problematik im Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) geregelt, darin sind mehrere, eindeutige Verbote ausgesprochen. So heißt es, dass entwicklungsfähige Zellen "nicht für andere Zwecke als für medizinisch unterstützte Fortpflanzungen verwendet werden" dürfen. Das heißt, dass selbst einzelne, befruchtete Eizellen nur für die künstliche Befruchtung verwendet werden dürfen, weitere Untersuchungen, Forschungen oder gar Veränderungen sind nicht zulässig.

Gleiches gilt für Samen oder Eizellen, "die für medizinisch unterstützte Fortpflanzungen verwendet werden sollen". Weiters heißt es im Gesetz: "Eingriffe in die Keimzellbahn sind unzulässig". Damit sind Manipulation am Erbgut von Keimzellen - etwa das Einbringen von neuen Genen - untersagt.

Beispielsweise in Frankreich wurden nach Angaben des Universitätskrankenhauses Straßburg bereits sieben Kinder nach einer PID geboren. Erlaubt ist die die Prozedur in Frankreich nur, wenn bei den Eltern ein Gen für eine unheilbare Krankheit aus einer eng definierten Liste vorliegt. Im benachbarten Belgien wurden bereits 60 Kinder nach PID geboren. In Großbritannien lassen nach Angaben der Humane Genome Society jedes Jahr etwa zehn Paare eine PID durchführen. Der Athener Verband der Gynäkologen berichtete von vier Fällen im vergangenen Jahr in Griechenland.

USA: Keine öffentlichen Gelder

Erlaubt ist die PID nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin in Europa außerdem noch in Dänemark, Norwegen, Schweden, Italien, Spanien und den Niederlanden. Auch die USA haben das Verfahren genehmigt, solange es mit privaten Mitteln durchgeführt wird. Öffentliche Gelder sind generell für die Arbeit mit Embryonen gesperrt.

Ein "PID-Tourismus" aus den Ländern, in denen das Verfahren verboten ist, wird durch den großen Aufwand des Verfahrens erschwert. Trotz der Kosten von mehr als 7.000 Mark (49.249 S) beginne jedoch Belgien verstärkt zum Ziel von PID-Reisenden zu werden, sagte der Arzt Stephane Viville von der Straßburger Uniklinik. Auch nach Straßburg kämen Paare aus Deutschland und der Schweiz wegen der PID. Die meisten hätten bereits mehrere medizinische Schwangerschaftsunterbrechungen wegen einer Erbkrankheit des Embryonen hinter sich. "Sie haben die Nase voll davon", sagte Viville.

Hoher Aufwand für werdende Mütter

Für die Mutter ist die PID allerdings mit erheblichem Aufwand verbunden. Nach einer hormonellen Behandlung werden bei einer Operation Eizellen entnommen. Nach der künstlichen Befruchtung werden die ausgewählten Embryonen eingesetzt - was eine Fortsetzung der Hormontherapie nach sich zieht.

"Mensch nach Maß" bereitet auch Indien Sorgen

Schwer wiegen bei KritikerInnen die Bedenken vor dem "Menschen nach Maß". So wägen ÄrztInnen in Indien, wo die PID noch keine Rolle spielt, die Chancen kritisch gegen einen Missbrauch zur Erzeugung männlicher Embryonen ab. "Es ist bekannt, dass PID für die Wahl des Geschlechts missbraucht werden kann. Das muss verhindert werden", forderte Sonia Malik, Gynäkologin in der Hauptstadt Delhi. "Dafür würde es Kunden geben", warnte auch Gauri Sen, eine bekannte Gynäkologin in Delhi.

Mädchen gelten in Indien als wirtschaftliche Belastung, weil bei ihrer Heirat Mitgift bezahlt werden muss. Weibliche Embryonen werden oft abgetrieben oder Babys getötet. Zurzeit liegt das Verhältnis von Frauen zu Männern bereits bei 933 zu 1000. Die moderne Schwangerschaftsdiagnostik kann das Missverhältnis verschärfen. (APA/dpa)

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