EU plant neues Tabakwerbeverbot

30. Mai 2001, 19:21
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Printmedien, Rundfunk und Internet im Visier - AT forciert den Eventbereich

Brüssel - Die EU-Kommission hat einen neuen Anlauf für ein EU-weites Tabakwerbeverbot unternommen. Ein erster Vorschlag war auf eine Klage Deutschlands hin wegen Mängeln vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu Fall gebracht worden. Die neue Vorlage, die Gesundheitskommissar David Byrne am Mittwoch in Brüssel vorstellte, beschränkt sich auf ein Werbeverbot in Zeitschriften, Rundfunk und Internet.

Auch das Sponsoring von Veranstaltungen zum Zweck der Tabakreklame in mehreren Mitgliedstaaten soll untersagt werden. Plakate und Kinowerbung sowie indirekte Werbung sollen dagegen erlaubt bleiben, da sie den EU-Handel nicht behindern.

Tabakwerbung und Sponsoring im Fernsehen ist bereits durch eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 1998 verboten worden. Die neue Richtlinie soll nun die unterschiedliche Behandlung der Printmedien beseitigen. Auch lokale und regionale Zeitschriften sollen unter das Verbot fallen, nicht nur - wie es im Vorfeld geheißen hatte - Produkte, die EU-weit in Umlauf sind.

Neben den Verlagen in den fünfzehn EU-Staaten werden sich damit auch amerikanische oder Schweizer Zeitschriften an die neue Auflage halten müssen, die nach Einschätzung Byrnes Ende 2004 in Kraft sein dürfte.

Gesundheitsschutz

Byrne begründete den Richtlinienentwurf vor allem mit dem Ziel des Gesundheitsschutzes. Jährlich sterben in Europa über eine halbe Million Menschen an den Folgen des Rauchens.

Dass die Werbung nicht die Ursache für den Beginn des Rauchens ist, sei durch Untersuchungen nachgewiesen, wundert sich Austria-Tabak-Vorstandsdirektor Heinz Schiendl. Byrnes Argumente für ein Werbeverbot sind für ihn nichts anderes als ein "wirkungsloses Ablenkungsmanöver von einer EU-Gesundheitspolitik, die in vielen Punkten, wie BSE oder Maul-und Klauenseuche, kläglich versagt hat".

Die Austria Tabak (AT) ist auf die neue Situation vorbereitet. Wie Pressesprecher Hubert Greier dem STANDARD mitteilte, wurde das Werbebudget bereits heuer umgeschichtet. Während die Ausgaben für die Printwerbung von 40 Mio. S auf 32 Mio. S und für die Plakatwerbung von 25 Mio. S auf 16 Mio. S gekürzt wurden, wurden jene für den Eventbereich von 20 Mio. S auf 48 Mio. S hinaufgesetzt. (APA/gb/DER STANDARD, Printausgabe 31.5.2001)

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