Investoren in China sollen politische Reformen fordern

30. Mai 2001, 13:45
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Chinesischer Dissident Wang hofft auf Demokratie in zehn Jahren

Hamburg - Westliche Unternehmen wie Siemens und DaimlerChrysler sollen bei ihren Investitionen in China nicht nur an die Gewinnaussichten denken, sondern auch politische Reformen einfordern. Diese Forderung erhob der in Boston lebende chinesische Dissident Wang Dan in einem Interview mit dem am Donnerstag erscheinenden Hamburger Magazin "Stern". "Natürlich wollen Unternehmer Geld verdienen, aber sie sollten auch langfristig denken und politische Reformen unterstützen", sagte Wang. Nur ein demokratisches China schaffe Bedingungen für eine anhaltend prosperierende Wirtschaft.

Wang Dan, der 1989 die Proteste am Platz des Himmlischen Friedens anführte, studiert jetzt an der Universität Harvard. Die Aussichten der Protestbewegung in China schätzte Wang unter der kommunistischen Führung als gering ein. Eine Neubewertung werde es unter Führung der kommunistischen Partei nicht geben: "Dazu fehlt den Kommunisten der Mut", sagte er. "Aber sie werden nicht mehr lange an der Macht bleiben." Demokratische Strukturen wie die Gewaltenteilung von Regierung, Parlament und Justiz könnten in zehn bis fünfzehn Jahren erreicht werden. "Für ein wirklich demokratisches Bewusstsein und stabile demokratische Institutionen braucht es mehr Zeit", sagte Wang Dan. Er werde nach China zurückkehren, "sobald es die Umstände erlauben". (APA)

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