Wien: Garagenprojekt am Neuen Markt stößt auf Widerstand

30. Mai 2001, 13:58
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Anrainer und Geschäftsleute fürchten "jahrelange Bautätigkeit"

Wien - Anrainer und Geschäftsinhaber haben in Verkehrsfragen oft höchst konträre Ansichten. Nicht so am Neuen Markt in der Wiener City: Dort hat sich jetzt eine Initiative gebildet, die sowohl aus Bewohnern als auch aus Kaufleuten besteht. Sie kämpfen gemeinsam gegen eine geplante Parkgarage unter "ihrem" Platz. Das Projekt bringe viele Geschäfte durch die zu erwartende jahrelange Bautätigkeit in "Existenzgefahr", versicherte der Juwelier Alexander Gruszow bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Jede Baustelle bedeuten Umsatzrückänge

Für viele sei die Situation schon jetzt nicht rosig, betonte Gruszow, der als einer der Sprecher der Initiative gegen das Großvorhaben auftritt. Er warnte: "Mit jeder Baustelle, die so lange besteht, sind weitere Umsatzrückänge verbunden." Dafür würden vor allem die Lärm-, Staub- und Verkehrsbelästigungen durch Baufahrzeuge sorgen. Bei einer relativ kurzfristig anberaumten Unterschriften-Aktion haben demnach bereits rund 100 Personen ihre Unterstützung der Garagen-Gegner bekundet.

Harald Rath, Mitinhaber der renommierten Glaswarenhandlung Lobmeyr, legte in der Pressekonferenz die Gründe für seine Beteiligung dar. Er verwies auf die "zum Teil bedrohliche" Bautätigkeit, die schon in den vergangene fünf Jahren auf und um den Neuen Markt zu verzeichnen gewesen sei. Unter dem Aspekt, "dass in 20 Tiefgaragen im Wiener Zentrum ca. 6.000 Abstellplätze zur Verfügung stehen, die zu keiner Zeit auch nur annähernd ausgebucht sind", werde die "sofortige Einstellung der Planungen" verlangt.

Kein zusätzlicher Autoverkehr

Mit dickem Lob für die Initiative wartete der Wiener TU-Professor und Verkehrsexperte Hermann Knoflacher auf. Er sei erfreut, dass sich die Anrainer und vor allem die Kaufleute am Neuen Markt nicht durch "engstirniges Parkplatzdenken" auszeichnen. Denn es sei nicht verantwortbar, zusätzlich Autoverkehr in die Innenstadt zu bringen, die durch öffentliche Verkehrsmittel hervorragend erschlossen sei. Das Garagen-Projekt sei "verkehrspolitisch vom Geist der 50-er Jahre getragen", befand Knoflacher in der Pressekonferenz.

Ein Vertreter der Grünen in der Wiener Innenstadt betonte, dass sich - mit Ausnahme seiner Partei - alle Fraktionen für die Garage aussprechen. Ein prominenter ehemaliger Grünpolitiker hat sich der Initiative auch selbst angeschlossen: Der Schauspieler Herbert Fux, der sich zuletzt (wenn auch erfolglos) für den Erhalt des so genannten Kai-Palastes am Donaukanal eingesetzt hat. Ebenfalls im Bunde der Garagen-Gegner sind die Betreiber des wohl berühmtesten "Unternehmens" am Neuen Markt: Die Kapuziner, die sich um die Besucherzahlen der Kaisergruft sorgen. (APA)

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