Venezuela: Kleinstkredite als Chance für Frauen

30. Mai 2001, 13:16
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Eine "Frauenbank" will den Weg in die Selbständigkeit erleichtern

Caracas - Mitte Juni öffnet in Venezuela ein neues staatliches Geldinstitut seine Pforten: die Frauenbank (Banco de la Mujer). Ausgerüstet mit einem Startkapital von 14 Millionen Dollar kann sie im ersten Halbjahr bis zu 6.000 Kleinstkredite an ihre ausschließlich weibliche Kundschaft vergeben.

Die künftige Vergabepraxis der Frauenbank, deren Etablierung Präsident Hugo Chavez am 15. Januar diesen Jahres im Parlament angekündigt hatte, ist durch ein besonderes, seit dem 23. April gültiges Gesetz über Kleinstkredite abgesichert.

Direktorin der Frauenbank ist Nora Castaneda, eine prominente Vertreterin der Frauenbewegung des Landes. Die Professorin lehrt Wirtschaftswissenschaften an der Zentral-Universität von Venezuela und hat die Fakultätsabteilung für Frauenstudien gegründet.

Im ersten Halbjahr ihrer Arbeit habe sich die Frauenbank zum Ziel gesetzt, so Professor Castaneda in einem ausführlichen Gespräch mit IPS, pro Monat rund 1.000 Darlehen in Höhe von 420 bis 7.000 Dollar zu vergeben. Mit einer solchen Starthilfen sollten sich bis zu vier Arbeitsplätze einrichten lassen. "Ob wir das schaffen oder nicht ist ungewiss, doch wir werden alles tun, um dieses Ziel zu erreichen", versicherte die Chefin der Frauenbank. Die Bank werde landesweit die Arbeit aufnehmen.

Damit sich die angehenden Geschäftsfrauen nicht gleich übernehmen, sollen sie zunächst einen kleineren Kredit erhalten, dessen Raten sie auch zurückzahlen können. Die Bank hilft den Frauen, ihre wirtschaftliche Situation realistisch einzuschätzen und steht ihnen beratend zur Seite.

Kooperation ist besonders erwünscht. Dem Beispiel anderer Länder folgend wurde ein Konzept erarbeitet, das den Zusammenschluss von vier bis fünf Frauen zu einer Unternehmerinnengruppe vorsieht. Sie bewerben sich partnerschaftlich um einen Kredit. Jedes Gruppenmitglied ist nicht nur für die Rückzahlung des eigenen Anteils verantwortlich sondern auch für den Gesamtbetrag.

"Wenn eine Frau nicht zahlen kann, springt eine andere für sie ein", erläutert Nora Castaneda das Solidaritätsprinzip. "Den Frauen ist zudem klar, dass sie neue und höhere Kredite erhalten können, wenn sie ihr Darlehen rechtzeitig zurückzahlen."

Die Banco de la Mujer ist nicht der erste Versuch der venezolanischen Regierung, Frauen mit geringen Einkünften zu besonders günstigen Kleinkrediten zu verhelfen. Ähnliches hatte schon die von Präsident Chavez Ende 1999 gegründete Banco del Pueblo Soberano (Bank des souveränen Volkes) versucht. Doch sie geriet in Schwierigkeiten, weil man versäumt hatte, ihr einen angemessenen gesetzlichen Rahmen zu geben. (IPS)

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