Frauenbank in Venezuela

30. Mai 2001, 17:44
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Starthilfe für bedürftige Frauen als Startschuss in die Selbstständigkeit

Caracas - Mitte Juni öffnet in Venezuela ein neues staatliches Geldinstitut seine Pforten: die Frauenbank (Banco de la Mujer). Ausgerüstet mit einem Startkapital von 14 Millionen Dollar kann sie im ersten Halbjahr bis zu 6.000 Kleinstkredite an ihre ausschließlich weibliche Kundschaft vergeben.

Die künftige Vergabepraxis der Frauenbank, deren Etablierung Präsident Hugo Chavez am 15. Januar diesen Jahres im Parlament angekündigt hatte, ist durch ein besonderes, seit dem 23. April gültiges Gesetz über Kleinstkredite abgesichert.

Direktorin der Frauenbank ist Nora Castaneda, eine prominente Vertreterin der Frauenbewegung des Landes. Die Professorin lehrt Wirtschaftswissenschaften an der Zentral-Universität von Venezuela und hat die Fakultätsabteilung für Frauenstudien gegründet.

Mit kleinen Krediten Arbeitsplätze schaffen

Im ersten Halbjahr ihrer Arbeit habe sich die Frauenbank zum Ziel gesetzt, so Professor Castaneda in einem ausführlichen Gespräch mit IPS, pro Monat rund 1.000 Darlehen in Höhe von 420 bis 7.000 Dollar zu vergeben. Mit einer solchen Starthilfen sollten sich bis zu vier Arbeitsplätze einrichten lassen. "Ob wir das schaffen oder nicht ist ungewiss, doch wir werden alles tun, um dieses Ziel zu erreichen", versicherte die Chefin der Frauenbank. Die Bank werde landesweit die Arbeit aufnehmen.

Damit sich die angehenden Geschäftsfrauen nicht gleich übernehmen, sollen sie zunächst einen kleineren Kredit erhalten, dessen Raten sie auch zurückzahlen können. Die Bank hilft den Frauen, ihre wirtschaftliche Situation realistisch einzuschätzen und steht ihnen beratend zur Seite.

Statt Haftung Solidarität

Kooperation ist besonders erwünscht. Dem Beispiel anderer Länder folgend wurde ein Konzept erarbeitet, das den Zusammenschluss von vier bis fünf Frauen zu einer Unternehmerinnengruppe vorsieht. Sie bewerben sich partnerschaftlich um einen Kredit. Jedes Gruppenmitglied ist nicht nur für die Rückzahlung des eigenen Anteils verantwortlich sondern auch für den Gesamtbetrag.

"Wenn eine Frau nicht zahlen kann, springt eine andere für sie ein", erläutert Nora Castaneda das Solidaritätsprinzip. "Den Frauen ist zudem klar, dass sie neue und höhere Kredite erhalten können, wenn sie ihr Darlehen rechtzeitig zurückzahlen."

Soziales Kreditsystem

Banken wie die Frauenbank und die Volksbank könnten nicht nach den strengen Vorschriften arbeiten, die für normale Geldinstitute gelten, denn sie seien als ein nachhaltiges, soziales Kreditsystem zu sehen, betonte Volksbankdirektor Roberto Rodriguez.

Konzept der Frauenbank nichts neues

Neu ist das Konzept der Frauenbanken nicht. Als man in den 1970er Jahren in den verschiedenen Institutionen der Vereinten Nationen damit begann, über praktizierte Gleichberechtigung und über die Beteiligung der Frauen am wirtschaftlichen und politischen Leben zu diskutieren, ging es auch darum, Frauen eigene Kredite zur Verfügung zu stellen, die sie als einen Ausweg aus ihrer Armut nutzen können. (ips)

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