Antibabypille wird 40 Jahre alt

30. Mai 2001, 15:09
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"Die klassische Verhütung" als Spiegel des Zeitgeistes

Berlin - Rund sechs Millionen Frauen in Deutschland nehmen tagtäglich die Pille. Der Fachbegriff für die kleinen Hormonkapseln lautet Kontrazeptiva. Wie der Marktforscher bei Schering Deutschland, Nikolas Schleyer, sagte, bewegen sich die Umsätze dieses Marktsegments allein in Deutschland in dreistelliger Millionenhöhe. Der Pharmakonzern Schering hat im Bereich der Kontrazeptiva sein Kerngeschäft. Die erste deutsche Antibabypille namens "Anovlar" brachte Schering am 1. Juni 1961 - also vor 40 Jahren - auf den Markt.

Einfluss der Pille auf den "Alltag"

Begonnen hatte die Geschichte der Pille allerdings ein Jahrzehnt früher, als es dem amerikanischen Chemiker und heutigen Künstler Carl Djerassi gelungen war, das Hormon Gestagen zu synthetisieren. Kaum ein Medikament hat das Sexleben des Menschen so verändert, wie die Pille, die zuerst 1960 auf den amerikanischen Markt erhältlich war. Seither kann Sex mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit von der Fortpflanzung getrennt werden. Dabei waren die negativen Konsequenzen dieser Erfindung für Frauen am Spürbarsten: Sie trugen die körperlichen Nebenwirkungen der Pille, sie mussten im Alltag dafür Sorge tragen, das Medikament richtig einzunehmen und zwangsläufig bekamen sie die gesamte Verantwortung für die Verhütung übertragen.

Symbol der sexuellen Revolution

Im Laufe der Jahrzehnte hat die Pille dann im öffentlichen Bewusstsein einige heftige Auf- und Abwertungen erlebt und ist zum Spiegelbild des jeweiligen Zeitgeistes geworden. Während noch in den 60er Jahren die kritische Jugend für die "Freiheit der Pille" auf die Straße ging und sie damit zum Symbol der sexuellen Revolution machte, schlug die Stimmung Anfang der 70er Jahre jäh ins Gegenteil um. Frauen kritisieren die Pille plötzlich als Symbol der Unfreiheit. Sie seien ihrem Körper, den Männern, der Medizin und der Gesellschaft ausgeliefert.

Hormondosis um die Hälfte gesenkt

Unterdessen ist der wissenschaftliche Fortschritt an den Hormonpräparaten nicht vorbeigegangen. Die letzten Generationen der Pille haben über die Hälfte der anfänglichen Hormondosis eingespart. Grund dafür bestand nicht nur wegen der unerwünschten Nebenwirkungen bei Frauen wie Gewichtszunahme und Übelkeit und Kopfschmerzen, sondern auch weil der Östrogen-Spiegel im Trinkwasser seit Verwendung dieses synthetisch-hergestellten Östrogens ansteigt. Der natürliche Wasserkreislauf kann die hohe Konzentration nicht neutralisieren. Bei Männern können synthetische Östrogene zu schweren Krankheiten führen. (pte/red)

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