Salzburger Rafting-Prozess endet mit Vertagung

30. Mai 2001, 18:22
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Angeklagte bekennen sich "nicht schuldig" an Tod von vier Raftern

Salzburg - Mit einer Vertagung endete am Salzburger Landesgericht die erste Verhandlungsrunde in dem Prozess um jenen tödlichen Raftingunfall, bei dem vor knapp zwei Jahren vier britische Urlauber getötet und drei verletzt worden sind. Die Anklage wirft dem 46-jährigen britischen Raftingunternehmer Trevor H. sowie dem 30-jährigen Salzburger Bootsführer Gottfried Cornelius E. "fahrlässige Tötung beziehungsweise fahrlässige Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen" vor. Die beiden Angeklagten bekannten sich "nicht schuldig".

Kern der Anklage ist die Wahl der Anlegestelle, an welcher das Boot vorbeigetrieben ist. Besagter Bereich stellt praktisch die letzte Möglichkeit dar, vor der Sohlstufe ans Ufer zu gelangen, war aber nach Ansicht des Anklägers "für raftingunerfahrene Fahrgäste nicht geeignet" und somit zu gefährlich.

"Verkettung unglückseliger Umstände"

Der angeklagte Bootsführer schilderte den Unfallhergang heute vor Gericht als Verkettung unglückseliger Umstände: Als sich das Boot der Anlegestelle zu langsam und damit im falschen Winkel näherte, habe er die Mannschaft durch lautes Rufen zu verstärkter Anstrengung anfeuern wollen. "Darauf haben sich ein paar Leute zu mir umgedreht, mich angeschaut und haben aufgehört zu paddeln", schilderte E. die fatale Reaktion. Dies sei der Grund gewesen, weshalb das Boot "ganz knapp" vorbeigetrieben sei.

Die sofort unternommenen Rettungsversuche schlugen ebenso fehl: Die Passagiere erwischten ein vom Uferbereich aus geworfenes Seil nicht, ein anderes Seil - welches über eine quer über die Salzach gespannte Sicherungsleine geschmissen wurde - riss, während der Bootsführer einen über Bord gegangenen Mann rettete.

Nur allgemeine Gefahrenhinweise

In den Einvernahmen wurde auch die Gefahrenaufklärung der Gäste angesprochen. Dazu befragt, sagten beide Angeklagten aus, dass es detaillierte Hinweise zu einzelnen Gefahrenstellen nicht gegeben habe. "Die psychische Stresskomponente wird höher", die Passagiere würden in Angst auf die Stelle zufahren, seien unter Umständen "blockiert" und würden dann seine Kommandos nicht mehr befolgen, erklärte E. den Grund dafür. In den Anfangsjahren habe man den Leuten noch jede Stelle genau erklärt, dann aber Erfahrungen mit problematischen Reaktionen gemacht, gab auch H. an. Deshalb sei das Unternehmen dazu übergegangen, auf die Gefahren eines Raftingtrips nur noch allgemein hinzuweisen.

Die Anwälte der Beschuldigten hatten in ihren Erklärungen vor allem das ihre Mandanten belastende Gutachten des Sachverständigen Josef Edinger kritisiert. Ihrer Ansicht nach hat sich Edinger in seiner Bewertung nicht an den zum Unglückstag bestehenden gesetzlichen Regelungen orientiert, sondern "eine Fülle von Verbesserungsvorschlägen" für den Raftingssport eingearbeitet, die am Landesgericht einfach fehl am Platz seien: Wenn der Gutachter Regeln schaffen wolle, die das Raften sicherer machen, müsse er sich an andere Instanzen, etwa die Landesregierung wenden, meinte Friedrich Harrer, der Verteidiger des mit angeklagten Raftingunternehmers. (APA)

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