Ölmulti Elf: Jahrzehntelang ein Name für "geschmierte" Geschäfte

30. Mai 2001, 11:20
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Die Spur führt auch nach Deutschland zur Leuna-Raffinerie

Paris - Der Ölmulti Elf-Aquitaine war lange Zeit der mächtigste und reichste Konzern Frankreichs. Jahrzehnte diente er der Regierung in Paris als Machtinstrument bei der Durchsetzung strategischer Interessen vor allem in Afrika. Seit sieben Jahren beschäftigt sich die französische Justiz mit dem Geflecht wirtschaftlicher und politischer Einflussnahme über Schmiergeldzahlungen des früheren Staatsunternehmens. Nach der Privatisierung Mitte der 90er Jahre wollte die neue Konzernleitung einen Strich unter die Vergangenheit ziehen. Sie macht den früheren Elf-Chef Loik Le Floch-Prigent (1989-93) für die Millionen-Bestechungen rund um den Globus mitverantwortlich, die vom ehemaligen französischen Präsidenten Francois Mitterrand (1981-1995) abgesegnet wurden. Im Jahr 2000 ging der Elf-Konzern in dem noch größeren belgisch-französischen Unternehmen TotalFinaElf auf.

Der Pariser Elf-Prozess, bei dem Ex-Außenminister Roland Dumas, seine einstige Geliebte Christine Deviers-Joncour und fünf weitere Angeklagte vor Gericht standen, war das erste Verfahren gegen Mitverantwortliche der Elf-Affären. Alle sieben waren wegen Veruntreuung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft forderte gegen Le Floch und seine frühere rechte Hand Alfred Sirven fünf Jahre Haft; Dumas soll zwei Jahre Haft und eine Geldstrafe von (381.123 Euro/5,24 Mill. S), Deviers-Joncour drei Jahre und eine Million Franc Strafe erhalten. Die Verteidigung forderte Freispruch.

Elf-Aquitaine war seit seiner Gründung in den 60er Jahren eng mit dem Pariser Außenamt und den französischen Geheimdiensten verknüpft. Der Konzern sollte eine von den angelsächsischen Konkurrenten unabhängige Ölversorgung sicherstellen und stieg faktisch zum zweiten Außenministerium Frankreichs auf. Gabun wurde zum Eckpfeiler des afrikanischen Elf-Imperiums. Von hier aus wurden die Ölfelder in Kongo, Kamerun, Angola und Nigeria erschlossen, wo sich Elf als Staat im Staate etablierte. In Gabuns Hauptstadt Libreville schuf Elf dunkle "Investitionsfonds", die vor allem einen Zweck hatten: schwarze Konten in Luxemburg, Liechtenstein und der Schweiz zu füllen.

Le Floch gab vor einer Woche zu, dass die "afrikanische Methode" auch beim Einstieg von Elf bei der ostdeutschen Leuna-Raffinerie 1992 angewandt wurde. Dabei flossen "Kommissionen" in Höhe von 256 Millionen Franc (39,0 Mill. Euro/537 Mill. S) an die Liechtensteiner Briefkastenfirma "Nobleplac". Einzelheiten der Operation, vor allem die Frage, ob und wie Gelder an die damalige Bonner Regierungspartei CDU weitergeleitet wurden, sind bis heute ungeklärt. Mit dem Namen Elf bleiben auch andere Affären verbunden, darunter der mit Schmiergeldern organisierte Kauf der spanischen Ertoil-Raffinerie und die Milliardenlieferung von sechs Fregatten des französischen Thomson-Konzerns an Taiwan 1991. (APA)

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