Die sieben Angeklagten im Pariser Dumas-Prozess

30. Mai 2001, 11:18
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Maximalstrafe fünf Jahre Haft und 2,5 Mill. Franc Geldstrafe

Paris - Die 11. Kammer des Pariser Strafgerichts verkündet am Mittwoch das Urteil gegen die sieben Angeklagten im Elf-Schmiergeldprozess. In dem spektakulären Korruptionsverfahren sind alle sieben wegen Veruntreuung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft forderte in sechs Fällen Gefängnisstrafen. Dabei beantragte sie in zwei Fällen die Höchststrafe für Veruntreuung - fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von 2,5 Millionen Franc (381.123 Euro/5,24 Mill. S). Die Angeklagten sind:

ROLAND DUMAS - der 78-jährige Ex-Außenminister Frankreichs (1988-1993) soll seiner damaligen Geliebten Christine Deviers-Joncour einen Posten beim staatlichen Ölkonzern Elf-Aquitaine verschafft und danach von den Millionensummen profitiert haben, die ihr gezahlt wurden. Strafantrag: zwei Jahre Gefängnis und 2,5 Millionen Franc Geldstrafe.

CHRISTINE DEVIERS-JONCOUR - die 53-jährige einstige Dumas-Geliebte erhielt insgesamt 64,5 Millionen Franc (9,83 Mill. Euro/135,3 Mill. S) aus den Elf-Kassen. Das Geld wurde für angebliche Lobby-Arbeit gezahlt, die sie laut Anklage durch nichts belegt wurde. Strafantrag: drei Jahre Gefängnis und eine Million Franc Geldstrafe.

LOIK LE FLOCH-PRIGENT - der 57-jährige ehemalige Elf-Chef (1989-1993) gilt als Verantwortlicher für die Zahlungen. Er soll zusammen mit seiner rechten Hand Alfred Sirven das weltumspannende Schmiergeldsystem des Elf-Konzerns organisiert haben. Strafantrag: fünf Jahre Gefängnis und 2,5 Millionen Franc (5,24 Mill. S) Geldstrafe.

ALFRED SIRVEN - der 74-jährige ehemalige Direktor für allgemeine Angelegenheiten bei Elf gilt als zentrale Figur des Elf-Schmiergeldsystems. Sirven war vier Jahre flüchtig. Zunächst wurde gegen ihn in Abwesenheit verhandelt. Nachdem er nahe Manila gefasst worden war, brachten ihn die französischen Sicherheitskräfte Anfang Februar über Deutschland nach Paris. Strafantrag: fünf Jahre Gefängnis und 2,5 Millionen Franc Geldstrafe.

ANDRE TARALLO - der 73-jährige ehemalige "Monsieur Afrique" des Elf-Konzerns hat 1989 einen der beiden Verträge unterzeichnet, mit denen Deviers-Joncour eingestellt wurde. Die Staatsanwaltschaft stellte keinen präzisen Strafantrag.

GILBERT MIARA - der 62-jährige Geschäftsmann, ebenfalls ein früherer Liebhaber von Deviers-Joncour, taucht nach Angaben der Anklage in allen Phasen der Scheinbeschäftigung Deviers-Joncours auf. Ein Teil der Zahlungen ging über sein Konto. Strafantrag: drei Jahre Gefängnis und 2,5 Millionen Franc Geldstrafe.

JEAN-CLAUDE VAUCHEZ - der 68-jährige ehemalige Chef der Genfer Elf-Filiale EAI hat Deviers-Joncour die Kreditkarte verschafft und Zahlungen auf Miaras Konto veranlasst. Strafantrag: neun Monate Gefängnis auf Bewährung. (APA)

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