Schutz der Natur eine "Überforderung"

30. Mai 2001, 10:54
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Für Natura 2000 sollen Grenzen auf Landkarten und im Kopf fallen

Wien - Von den Braunbären im Wechselgebiet über den Rückbau von Flüssen zu den letzten Refugien der Libellen: "Das Besondere oder das, was es bald nicht mehr zu geben droht", stehe vielfach im Mittelpunkt der Arbeit von Naturschützern, sagt Christoph Walder vom World Wide Fund for Nature (WWF).

Das sei durchaus ein Problem, meinte Walder bei der vom STANDARD, dem Österreichischen Institut für Raumplanung (ÖIR) und Radio Niederösterreich veranstalteten Podiumsdiskussion über "Naturschutz ohne Grenzen" in Wien. Weil man, konzentriert auf den Einzelfall, die "breitere Perspektive" zu verlieren riskiere. "Die Natur wird beschützt, heißt es. Doch sind wir in der EU nicht Zeugen eines Abbaus natürlicher Ressourcen?", ließ der ungarische Biologe Andras Krolopp aufhorchen. Ein Blick von (noch) außerhalb.

Die Anforderungen seien groß, vor allem jene an Politik und Verwaltung, betonte Friedrich Schindegger vom ÖIR. Vielleicht sogar "eine Überforderung". Weil Naturschutz, wie ihn die EU im Rahmen der derzeit laufenden Ausweisung von Natura-2000-Gebieten betreibe, "transnational" funktionieren solle. Was bedeute: Grenzen auf der Landkarte, Grenzen im Kopf, "natürliche Grenzen" wie Flussläufe müssten allesamt überwunden werden, zum Nutzen der Natur.

Föderalistischer Luxus

Ein Beispiel, laut WWF-Mann Walder: Es sei etwa nicht einzusehen, warum "das Leithagebiet zwar in Niederösterreich, nicht aber im Burgenland unter Natura-2000-Schutz steht". Doch: Die Landesgrenze als Trennstrich sei eben ein Unikum aus dem föderalistischen Österreich, das sich den Luxus von neun Landesnaturschutzgesetzen und -kompetenzen leiste.

Das Resultat laut der Ingenieurskonsulentin Sibylla Zech: "Die heimischen Natura-2000-Ausweisungen sehen vielfach wie ein Fleckerlteppich aus." Ein "Rückzug des Naturschutzes aus der Fläche", der Aufträge wie strategische Umweltprüfungen erschwere. (bri, DER STANDARD,Print-Ausgabe 30. Mai 2001)

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