"Rezepte für das Mainstreaming"

30. Mai 2001, 20:15
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Broschüre präsentiert positive Beispiele

Damit Chancengleichheit für Frauen und Männer nicht länger eine Forderung bleibt, die vom good-will der EntscheidungsträgerInnen abhängt, hat die EU 1999 das Prinzip des Gender Mainstreaming in den Amsterdamer Verträgen verankert. Gender Mainstreaming bedeutet, vereinfacht gesagt, dass bei allen Maßnahmen und Gesetzen überprüft werden muss, wie diese sich zum einen auf Frauen und zum anderen auf Männer auswirken.

Präsentation

Am 18.5. wurden im Rahmen eines Pressegesprächs in St. Pölten das EU-Projekt „Rezepte für das Mainstreaming“ und die gleichnamige Broschüre, eine Sammlung positiver Beispiele von Frauenförderung und Gender Mainstreaming, präsentiert. „Rezepte für das Mainstreaming“, 1998 von der italienischen Frauenorganisation Arcidonna im Rahmen des 4. Aktionsprogramms für die Chancengleichheit von Frauen und Männern gestartet, umfasst mittlerweile ein Netz aus 44 öffentlichen und privaten Einrichtungen – ExpertInnen und AkteurInnen für Gleichstellungspolitik aus elf europäischen Ländern.

Projektpartner in Österreich ist das „Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen“. Für den österreichischen Beitrag zu den „Rezepten“ haben sich Vertreterinnen des Landes, des Arbeitsmarktservice und der Sozialpartner zur „Reference group Gender Mainstreaming in Niederösterreich“ zusammengeschlossen. Unter anderen wurden Beispiele aus Niederösterreich gewählt: Frauenförderpläne für Landes- und Gemeindeverwaltungen, Prämierung von frauen- und familienfreundlichen Betrieben oder die Schulung von medizinischem Personal zum Thema „Gewalt gegen Frauen“. Damit will Niederösterreich auch europaweit Zeichen setzen.

Die Chance des Gendermainstreamings

Doch um Chancengleichheit für Frauen und Männer wirklich nachhaltig zu gewährleisten, braucht es gebündelte Energien und viel Durchhaltevermögen. So stellte Landesrätin Christa Kranzl (SPÖ) fest, dass Frauen im Berufsleben doppelt so gut sein müssen, dabei durch Familienarbeit doppelt belastet sind und nach wie vor um ein Drittel weniger verdienen als Männer. Landtagsabgeordnete Marianne Lembacher (ÖVP) plädierte für eine breite Frauenvernetzung auch über die Parteigrenzen hinweg und betonte die Wichtigkeit gesetzlicher Rahmenbedingungen im Bereich der Chancengleichheit. Dr. Barbara Stiegler, Gender Mainstreaming Expertin aus Bonn, veranschaulichte die Notwendigkeit, alle Politikbereiche zu „gendern“. So mussten sich in der BRD alle Ministerien verpflichten, in nächster Zeit zumindest ein Gender Maintreaming Projekt in ihrem Ressort zu entwickeln und umzusetzen. Die Chance des Gender Mainstreaming, so Barbara Stiegler, liege darin, dass auf den obersten Ebenen ein Umdenkprozess in Gang gesetzt werden müsse, der die unterschiedlichen Bedürfnisse und Lebensbedingungen von Frauen und Männern berücksichtigt und danach handelt. Dass dieser neue, ungetrübte Blick auf nur scheinbar „geschlechtsneutrale“ Politikfelder zu einschneidenden Änderungen führen muss, zeigt eine Analyse der Mittelflüsse: ob Vergabe von Sportförderungen oder Planung neuer Straßen und Wohnanlagen: ein Großteil der Gelder kommt bisher vorwiegend Männern zugute. Die Verankerung des Prinzips Gender Mainstreaming auf EU-Ebene und die Verpflichtung der europäischen Staaten durch Unterzeichnung der Amsterdamer Verträge heißt auch, dass diese Tatsachen nicht mehr länger ignoriert werden können. (red)

Broschüre zu
beziehen unter: netzwerkfrauen
beratungwien@magnet.at
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