US-Justizministerium gegen neue Verschiebung der McVeigh-Hinrichtung

30. Mai 2001, 20:53
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Anwälte bereiten entsprechenden Antrag vor

Washington - US-Justizminister John Ashcroft will jeden Versuch, die Hinrichtung des Oklahoma-Attentäters Timothy McVeigh erneut zu verschieben, bekämpfen, sagte seine Sprecherin des Ministeriums am Mittwoch in Washington. McVeighs Anwälte hatten zuvor angekündigt, sie bereiteten einen Antrag auf Verschiebung vor. Die Zustimmung McVeighs stehe noch aus, doch äußerte sich Anwalt Robert Nigh zuversichtlich. Der verurteilte Attentäter wolle die Eingabe überprüfen, bevor er grünes Licht gebe. Dies stellt einen Sinneswandel McVeighs dar, der seine Schuld eingestanden und die Todesstrafe bisher akzeptiert hat.

Die Hinrichtung war ursprünglich am 16. Mai geplant. Sie wurde wegen eines peinlichen Fehlers des Bundeskriminalamtes FBI auf den 11. Juni verschoben. Das FBI gab zu, den Verteidigern bei dem Prozess zahlreiche Unterlagen vorenthalten zu haben. Die Verteidiger sollten genügend Zeit haben, um die Unterlagen anzusehen. Die Zeit bis zum 11. Juni ist nach ihrer Überzeugung jedoch zu kurz. US-Justizminister John Ashcroft hat die Überzeugung geäußert, dass die Dokumente keinen Zweifel an McVeighs Schuld aufwerfen werden.

3000 Seiten

Bei den plötzlich aufgetauchten Unterlagen handelt es sich um rund 3.000 Seiten, darunter Zeugenbefragungen und Fotos von zumindest einem anderen Verdächtigen. FBI-Beamte betonten, die Unterlagen seien in keiner Weise entlastend. Die Dokumente waren bei einer Überprüfung des FBI-Archivs aufgetaucht.

McVeigh hatte 1995 ein Bundesgebäude in Oklahoma in die Luft gesprengt. Dabei waren 168 Menschen ums Leben gekommen und Dutzende zum Teil schwer verletzt worden. McVeigh, der damit frühere Gewaltaktionen der Bundespolizei rächen wollte, war im Juni 1997 zum Tode verurteilt worden.

Timothy McVeighs Hinrichtung wäre die erste nach Bundesrecht seit fast vier Jahrzehnten. Die rund 700 Exekutionen seit Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 erfolgten alle auf Basis der Rechtsprechung einzelner Bundesstaaten. (APA/dpa)

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