Das Ende der Mammuts: Viren unter Verdacht

30. Mai 2001, 11:52
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Sind unsere Vorfahren also doch unschuldig?

London - Gegen Ende der letzten Eiszeit, vor 15.000 bis 10.000 Jahren, gab es ein rätselhaftes Massensterben: In kurzer Zeit verschwanden auf der Nordhalbkugel verbreitete Großsäugetiere wie Säbelzahntiger und Mammuts. Da in derselben Zeit die ersten Menschen in die unwirtlichen Gebiete einwanderten, lag es nahe, an eine Ausrottung durch Jagd zu denken.

Diese Hypothese wird vor allem für Nordamerikas Mammuts verfochten, wo die Einwanderer die ersten Menschen überhaupt waren und auf Tiere trafen, die den neuen Feind nicht kannten. Allerdings hätten die Einwanderer regelrechte Gemetzel unter den Herden anrichten müssen. Und dafür waren sie wohl zahlenmäßig zu klein und von der Ausrüstung her - Lanzen mit Steinspitzen - zu schwach.

Zwar findet man an wenigen Orten in Nordamerika Mammutknochen und Jagdwaffen nebeneinander, aber viele Forscher vermuten, dass nur kranke oder tote Tiere "erlegt" wurden. Sie bieten als Gegenhypothese den Klimawandel zum Ende der Eiszeit. Aber die Großsäuger haben frühere und stärkere Klimaschwankungen überstanden.

Deshalb sucht eine dritte Gruppe die Erklärung in indirekten Effekten der Einwanderung. Die Menschen oder ihre Begleiter - Hunde etwa - hätten Krankheiten mitbringen können, die erst beim Überschreiten der Artgrenze virulent werden, so wie HIV den ursprünglichen Trägern - Affen - nichts tut und erst unter Menschen tödlich wird.

Zur Klärung der Hypothese haben US-Forscher Mammutknochen in Sibirien gesucht und auf DNA-Spuren möglicher Krankheitserreger analysiert. Das ist technisch extrem schwierig, aber man wurde doch fündig: Neben Mammut-DNA fand sich auch DNA von Viren. Allerdings handelt es sich dabei um Endoviren, wie man sie auch heute noch bei Elefanten findet: Viren, die sich mit den Tieren vergesellschaftet haben und keinen Schaden anrichten.

So bleibt die Frage ungeklärt, aber die Forscher sehen sich wenigstens darin bestätigt, dass man überhaupt Paläoviren finden kann. Sie suchen weiter. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe 30. 5. 2001)

New Scientist, Nr. 2289, S. 32
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