Israelisch-palästinensische Gespräche scheitern

30. Mai 2001, 07:07
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Gegenseitige Schuldzuweisungen - Mittwoch Treffen der Sicherheitsvertretern

Jerusalem - Ohne Fortschritte sind am Dienstagabend die ersten Sicherheitsgespräche zwischen Israelis und Palästinensern seit etwa zwei Monaten beendet worden. Beide Seiten machten sich gegenseitig für den Stillstand verantwortlich. Die Gespräche, die auf Vermittlung des neuen US-Nahostbeauftragten William Burns zu Stande kamen, waren von neuer Gewalt überschattet.

In einer Erklärung des israelischen Verteidigungsministeriums hieß es, die Palästinenser hätten es abgelehnt, dem Beispiel Israels zu folgen und eine Waffenruhe auszurufen. Der palästinensische Sicherheitschef des Westjordanlandes, Amin el Hindi, sagte nach der zweistündigen Unterredung, Israel solle die Reisebeschränkungen der Palästinenser im Westjordanland aufheben. Ein anderer palästinensischer Gesprächsteilnehmer, Taufik Tirawi, erklärte, die Israelis seien die Aggressoren und die Palästinenser handelten in Selbstverteidigung.

Gewalt und Millardenverluste

Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministers Binjamin Ben Elieser waren zwei Gesprächsrunden geplant: zunächst mit der für Sicherheitsfragen zuständigen Führung des Westjordanlandes, dann am Mittwoch mit den Sicherheitsvertretern aus dem Gazastreifen.

Am Dienstag kostete die anhaltende Gewalt drei Palästinenser und drei jüdische Siedler das Leben. An der wichtigen Autobahn zwischen Jerusalem und Tel Aviv wurde am Abend eine Bombe entdeckt. Die Polizei sperrte die Straße ab und untersuchte den Sprengsatz mit einem Roboter. Dabei detonierte die Bombe. Es wurde niemand verletzt.

Der seit acht Monaten anhaltende Aufstand der Palästinenser hat der israelischen Wirtschaft rund zwei Milliarden Dollar (2,34 Mrd. Euro/32,2 Mrd. S) Verluste zugefügt, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie der israelischen Handelskammer hervorgeht. Die Hauptfaktoren dafür waren der starke Rückgang im Tourismus, bei den Exporten und in der Baubranche. Die wiederholte Abriegelung des Westjordanlandes und des Gazastreifens hat etwa 100.000 Palästinenser von ihren Arbeitsplätzen in Israel fern gehalten, was vor allem im Bausektor und der Landwirtschaft zu Einbußen führte.

Aufgebrachte Siedlerführer forderten von Israels Ministerpräsident Ariel Sharon ein sofortiges Ende der vor einer Woche einseitig erklärten "Waffenruhe". Israel wirft der palästinensischen Autonomiebehörde eine gezielte Eskalation der Lage in den Palästinensergebieten vor. (APA/AP/dpa)

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