DiabetikerInnen leiden öfter an Depressionen

29. Mai 2001, 19:13
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Diabetes und Depressionen können sich wechselseitig verstärken

St. Luis/Mannheim - Bereits vor hundert Jahren wusste man, dass der Urin von depressiven PatientInnen süß schmeckt. Heute ist bekannt, dass hormonelle Ursachen Depression und Diabetes mellitus verbinden. Und eine Auswertung des Datenmaterials von 42 Studien aus 25 Jahren zeigte, dass "bei vielen Menschen Diabetes und Depressionen Hand in Hand gehen", berichtet Reutershealth.

PatientInnen mit Zuckerkrankheit leiden doppelt so oft unter Depressionen wie NichtdiabetikerInnen. Und umgekehrt gebe es deutliche Hinweise darauf, dass Diabetes häufig durch Depressionen ausgelöst oder verstärkt wird.

Zum Beispiel, erklärt Studienleiter Patrick Lustman, führen bei depressiven Menschen oft beobachtete Verhaltensweisen wie übertriebenes Essen und Bewegungsmangel häufig auch zu Diabetes Typ 2. Außerdem beeinflussten Diabetes und Depressionen unter anderem die gleichen Hormone und Neurotransmitter. So könne eine Depression die Resistenz gegen Insulin verstärken, eines den Blutzucker regulierenden Hormons. Insulinresistenz sei aber auch eine Voraussetzung von Typ-2-Diabetes. Viele Menschen glaubten, Depressionen gehörten nun einmal zu chronischen Krankheiten, meint Lustmann, doch bei Diabetes sei dies eine "simplistische Sichtweise".

Das bestätigen auch die Untersuchungen von Wissenschaftern aus Mannheim, die kürzlich auf dem Deutschen Internistenkongress präsentiert wurden. Bei einer akuten depressiven Phase steige der Blutzuckerspiegel um bis zu drei Prozentpunkte an, was darauf hindeute, dass Depressionen eine bestehende Zuckerkrankheit verschlimmern können. Deshalb komme es bei depressiven DiabetikerInnen häufiger zu Spätkomplikationen wie Augenproblemen oder diabetischem Fuß. Nach einer standardisierten Testmahlzeit reagierten Depressive im Vergleich zu Nichtdepressiven mit einem deutlich überschießenden Glukoseanstieg: "Die Kortisol-und Insulinkonzentration ist erhöht, Organfett wird deponiert, was wiederum sowohl bei depressiven Patienten als auch bei Diabetikern das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme erhöht", berichteten die deutschen Forscher.

Depressionstherapie

Depressionen können aber auch dazu führen, dass PatientInnen stimmungsbedingt ihre Blutzuckerwerte nicht regelmäßig kontrollieren. Eine angemessene Depressionsbehandlung, sagt US-Forscher Lustman, sorgt nicht nur für die erwünschte stimmungs-aufhellende Wirkung, sondern in aller Regel auch dafür, dass DiabetikerInnen sich mehr um ihre Zuckerkrankheit kümmern.

(rbe/DER STANDARD, Printausgabe, 30.05.2001)

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