Agonie in Warteschleife - Von Eric Frey

30. Mai 2001, 11:58
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Also hat der Telekom-Austria-Chef doch noch eine Woche Galgenfrist erhalten. Angebliche Terminprobleme der italienischen Manager vor Pfingsten (die diesen Feiertag gar nicht halten) haben laut ÖIAG-Vorstand Johannes Ditz die Verschiebung der Aufsichtsratssitzung notwendig gemacht. An Sundts Rausschmiss soll sich dadurch aber nichts ändern.

Das Telekom-Drama ist inzwischen zur größten Farce der an Absurditäten nicht armen schwarz-blauen Personalpolitik geworden. Kann man bei der AUA noch von einem mäßig erfolgreichen Führungsduo aus einer früheren Ära sprechen, so sind Sundt & Co eindeutig die Erfindung dieser Regierung.

Sicherlich ist viel in der Telekom schief gelaufen, aber wenig davon lässt sich an der Person des Vorstandschefs festmachen. Er selbst hat vor den Tücken eines übereilten Börsenganges gewarnt. Das Zerwürfnis mit seinem schwierigen Marketingvorstand Heinz Brasic hat sich durch dessen Abgang erledigt. Die falsche Gewinnwarnung war auf strukturelle Schwächen im Rechnungswesen zurückzuführen. Und wie man am Aktienkurs ablesen kann, haben die Anleger dies schon fast verziehen.

Sundts größte Sünde ist, dass Thomas Prinzhorn ihn nicht mag und Ditz, der unter den FP-Granden auf ebenso wenig Liebe stößt, dringend ein Bauernopfer braucht, um von eigenen Fehlern abzulenken - angefangen von den Syndikatsverträgen mit der Telecom Italia bis zur öffentlichen Hinrichtung des Telekom-Vorstands am vergangenen Freitag. Ein Aufsichtsratschef, der seinem Vorstand auf diese Weise das Vertrauen entzieht, muss zumindest einen Nachfolger parat haben. Doch Ditz hat das nicht, weil er sich mit den Italienern nicht einigen kann. Der TA, dem Vorstand und den Anlegern droht die Fortsetzung der Agonie weit über die nächste Aufsichtsratssitzung hinaus. (DER STANDARD, Printausgabe 30.5.2001)

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