Tarifdebatte als Reibebaum

29. Mai 2001, 19:38
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Reaktionen der Wiener Oppositionsparteien zwischen "Blamage" oder "Bankrotterklärung"

In ihren Reaktionen auf die SP-Klausur konzentrierten sich die Oppositionsparteien auf die Diskussion um mögliche Tariferhöhungen bei den Wiener Linien. Gegen Bürgermeister Häupls Vorwurf, dem "neoliberalen Wahn" verfallen zu sein, verwahrte sich VP-Klubobmann Matthias Tschirf umgehend: Die VP spräche sich für Wettbewerb und Liberalisierung aus, um für die Bürger Angebot und Service der Öffis zu verbessern. Schon zuvor hatte VP-Geschäftsführer Wolfgang Gerstl von "Lippenbekenntnissen" von Stadtrat Rieder gesprochen, wenn dieser beteuere, bei den Wiener Linien zunächst nach Einsparungs- und Rationalisierungspotenzialen suchen zu wollen.

FP-Stadtrat Johann Herzog nannte die möglichen Tariferhöhungen (DER STANDARD berichtete) einen "Gradmesser für die Lösungskompetenz" der SPÖ: "Wenn als erster konkreter Schritt der neuen, absoluten SP-Stadtregierung die Erhöhung der Tarife für die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien angekündigt wird, stellt dies eine Bankrotterklärung zum Start dar." Statt Rationalisierungspotenziale auszuloten oder die Verwaltung zu straffen, erfolge in "Pawlowscher Manier der Ruf nach mehr und mehr Belastungen".

Grün-Klubobmann Christoph Chorherr sprach von einer "einzigen Blamage", die die SPÖ auf ihrer Klausur liefere. Anstatt "nebulos" von Zukunftsprojekten zu reden, wäre eine "klare Ansage über das, was Sache ist" angebracht: "Werden die Tarife erhöht oder doch Atraktivierungsmaßnahmen gesetzt?" (rott, DER STANDARD, Print-Ausgabe 30. 5. 2001)

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