"Konkursszenario geprüft"

29. Mai 2001, 18:35
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Konsumentenschützer raten zur Einlösung von Gutscheinen - Verlage werden unruhig

Wien - Ohne rasche Kapitalspritze scheint bei Libro eine Insolvenz unabwendbar, schreibt die "Presse" (Mittwochausgabe). Das Engagement der Anwaltskanzlei Kosch & Partner und des als beinharten Sanierer bekannten Otto Arbeiter als neuer Finanzchef sei ein Indiz, dass es bei der börsenotierten Libro immer mehr in Richtung Insolvenz und immer weniger in Richtung Verkauf gehe, so die Zeitung.

Zumal auch die für 31. Mai angesetzte Bilanzpressekonferenz verschoben werden musste, weil es keine testierte Bilanz gibt. "Wir prüfen sehr wohl ein Insolvenzszenario, wobei es um einen Konkurs geht", zitiert die Zeitung Unternehmenskreise.

Seit Anfang Mai überschuldet

Laut Insolvenzgesetz müsste innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet werden. Der "Presse" zufolge soll bereits Anfang Mai im Aufsichtsrat diskutiert worden sein, dass die Liquidität von Libro Ende Mai knapp werde. Überschuldet sei das Unternehmen bereits Anfang Mai gewesen.

Angesichts der prekären Lage raten Konsumentenschützer all jenen, die Gutscheine von Libro, Amadeus oder Lion.cc halten, diese nun einzulösen. "Wenn die Gefahr einer Insolvenz besteht, sollte man Gutscheine möglichst bald einlösen", sagte Ursula Kogler, Juristin beim Verein für Konsumenteninformation in der "Presse". Gutscheine seien nämlich im Falle einer Insolvenz Forderungen, die von Konsumenten beim Handelsgericht Wien geltend gemacht werden müssten.

Verlage werden unruhig

Mittlerweile führt die höchst angespannte finanzielle Lage bei Libro auch bei den Verlagen (Lieferanten) zu Nervosität. Laut "Kurier" (Mittwochausgabe) hat der Hamburger Rowohlt-Verlag Außenstände in Höhe eines sechsstelligen DM-Betrags. Man bekomme derzeit zwar keine Bestellungen von Libro, gäbe es größere Bestellungen, würde man nur bei Vorauszahlung liefern oder Libro um Begleichung der Außenstände ersuchen, so Rowohlt. Der Frankfurter S. Fischer-Verlag hat laut "Kurier" einen Lieferstopp über Libro verhängt. Lieferungen aus dem Österreichischen Bundesverlag (ÖBV) würden derzeit "so weit wie möglich bar bezahlt", Libro ist für den ÖBV ein "sehr wichtiger Kunde". (APA)

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