Stationäre Raucherentwöhnung für Arbeiter ab Juli

31. Mai 2001, 08:54
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Entzug "auf Krankenschein" eventuell bald möglich

Wien - Ein neues Angebot werden die zehn Sonderkrankenanstalten der Pensionsversicherung der Arbeiter (PVArb) ab Juli anbieten. Den Patienten soll die stationäre Raucherentwöhnung ermöglicht werden, gab Klaus Schneider, Chefarzt der PVArb am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Wien bekannt. Mit etwa 1.200 potentiellen "Kandidaten" pro Jahr werde gerechnet.

"Unser Auftrag ist der Erhalt der Arbeitsfähigkeit", so Schneider. Dazu zähle auch das Vermeiden von typischen Rauchererkrankungen. Bereits mit der Einladung sollen in Zukunft die Reha-Patienten das Angebot zur Entwöhnung erhalten. Schneider erwartet, dass sich die Therapie auch für die Pensionsversicherung rechnet. Eine einzige Invaliditätspension kostet etwa zwei Millionen Schilling, rechnete er vor.

Parallel zu dieser Aktion müsse aber schon gegen die Anfänge vorgegangen werden, forderte Schneider. Das Unterrichtsfach "Gesundheitslehre" könnte nach Meinung des Experten Jugendliche vom Glimmstängel abhalten. "Man kann ihnen das Rauchen 'madig' machen", so Schneider

Begleitende Unterstützung nach der Therapie

Drei Wochen wird die stationäre Entwöhnung dauern, erklärte der Oberarzt der Sonderkrankenanstalt Weyer, Alfred Lichtenschopf. Regelmäßige Beratung von Arzt und Psychologen zählt ebenso dazu wie Bewegungstherapie und die Unterstützung durch Nikotin-Ersatzmittel. Der Standard sei in allen zehn Zentren gleich, so Lichtenschopf. Auch eine begleitende Unterstützung nach der Therapie sei geplant.

Für den Primar der Abteilung für Atmungs- und Lungenerkrankungen im Krankenhaus Lainz, Hartmut Zwick, bietet die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgenommene Einstufung der Nikotinabhängigkeit als Krankheit neue Möglichkeiten. In Zukunft könne es dadurch möglich sein, den Entzug "auf Krankenschein" durchzuführen. Ein flächendeckendes Netz von rund 1.800 extra ausgebildeten Ärzten garantiere schon jetzt, dass jeder Raucher eine Entwöhnung mit Therapie und Medikamenten machen könne, so Zwick. Die Übernahme der Kosten durch die Kassen sei aber erst ein langsam einsetzender Prozess.

Ein großes Problem sei der stetig steigende Anteil der Frauen unter den Rauchern, berichtete Ursula Kunze vom Institut für Sozialmedizin der Uni Wien. Es gebe bei diesen zusätzliche Risikofaktoren durch Schwangerschaft oder die Einnahme der Pille. Die Zahl der Lungenkrebs-Neuerkrankungen bei Frauen seit Jahren leicht steigend. (APA)

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