BSE-ungetestete Tiefkühlware als Frischfleisch verkauft

30. Mai 2001, 20:55
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Staatsanwalt ermittelt gegen deutschen Handelskonzern REWE

Gießen/Berlin/Wien - Die deutsche Handelsgruppe Rewe hat Rindfleisch, das sie wegen der BSE-Krise nicht verkaufen konnte, eingefroren und in den vergangenen Wochen als Frischfleisch verkauft. Die Staatsanwaltschaft Gießen bestätigte am Dienstag, dass sie ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen die Kennzeichnungspflicht eingeleitet hat. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um bis zu 30 Tonnen Fleisch handelt, das noch nicht, wie inzwischen vorgeschrieben, auf BSE getestet worden ist.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Ende April seien in den zu Rewe gehörenden Mini-Mal-Märkten in Hessen und Rheinland-Pfalz Rindfleisch-Rouladen und Steaks im Angebot gewesen. Das Fleisch sei bereits im vergangenen Jahr zum Verkauf angeboten worden, habe aber wegen der BSE-Krise nicht abgesetzt werden können.

Fleischproben hätten ergeben, dass es sich nicht, wie ausgewiesen, um Frischfleisch, sondern um aufgetaute Waren gehandelt habe. Der Großteil des Fleisches soll bereits verkauft worden sein.

Die Staatsanwaltschaft ließ am vorigen Wochenende eine Rewe-Niederlassung, einen Fleischzerteilungsbetrieb und eine Wohnung eines Rewe-Mitarbeiters durchsuchen. Dieser Mitarbeiter hatte behauptet, die Zentrale der Kette in Köln habe die Aktion gesteuert. Auch die Staatsanwaltschaft bestätigte, sie habe dafür Anhaltspunkte.

Ein Sprecher der Gruppe dementierte am Dienstag, dass es eine Anordnung gegeben habe, bestätigte aber, dass aufgetautes Fleisch entgegen den Bestimmungen als "Frischfleisch" angeboten worden sei. Vergangene Woche sei dieses Angebot zurückgenommen worden. Allerdings habe zu keiner Zeit eine gesundheitliche Gefahr für Verbraucher bestanden, sagte der Konzernsprecher.

"Billa friert nicht ein"

Bei der zum Rewe-Konzern gehörenden, hauptsächlich in Österreich aktiven Lebensmittelkette Billa schließt man aus, dass in ihren Filialen zuvor eingefrorenes Fleisch als Frischfleisch verkauft wird.

"Die Strategie von Billa ist es, direkt vom Schlachthof Viertelrinder und Schweinehälften zu kaufen und dann vor Ort in den Filialen zu zerteilen", sagte die konzerneigene Tierärztin Ulrike Voberg dem Standard. "Auch rein technisch wäre das gar nicht möglich, weil wir über keine Tiefkühlräume verfügen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.5.2001)

Von Alexandra Föderl-Schmid und Günther Strobl
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