EZB wacht über Preisentwicklung bei Eurobargeldeinführung

29. Mai 2001, 15:57
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VPI-Warenkorb in starkem Maß von "Schwellenpreis"-Kategorien geprägt

Wien - Die Europäische Zentralbank (EZB) kenne die Gefahr von Aufrundungen bei der Euro-Bargeldumstellung. "Das werden wir beobachten", sagte am Dienstag der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und EZB-Ratsmitglied Klaus Liebscher bei einem Euro-Handelskolloquium in Wien.

Die EZB erwartet nach eigenen Angaben nicht, dass es bei der Umstellung der Preise auf Euro zur Bargeldeinführung im kommenden Jahr zu einem nennenswerten Preisanstieg kommen wird. Liebscher selbst erwartet zumindest eine "aufkommensneutrale Glättung": Es werde sowohl zu Auf- als auch zu Abrundungen kommen, in Summe sollte es aber aufkommensneutral sein, es dürfe nicht versteckt in Richtung oben gehen, appellierte er an die versammelten Handelsunternehmer.

Zu beachten seien gerade in der Einführungsphase Anfang 2002, in der die Konsumenten noch nicht so geübt seien, die so genannten "Schwellenpreise". Also Preise, die häufig mit 9 Schilling oder Groschen endeten. Von dieser Preiskategorie sind viele im Verbraucherpreisindex (VPI) enthalten. Laut Liebscher machen allein die Preise für Lebensmittel, Industrieerzeugnisse, Energie sowie Mieten rund 57 Prozent des heimischen VPI aus.

Thema Rundung

Auch die EZB hat sich in ihren letzten Sitzungen mit dem Thema Rundung befasst. Ihr Chef Wim Duisenberg hatte erst kürzlich vor dem Währungsausschuss des Europaparlaments erklärt, die EZB sei sich der Gefahr bewusst, dass Preise bei der Umstellung von den nationalen Währungen auf Euro aufgerundet werden und zu Inflation führen könnten. "Wenn überhaupt, wird der Einfluss auf die Preise aber sehr gering und nur ein vorübergehender Effekt sein", so Duisenberg.

Ein halbes Jahr vor Einführung des Euro-Bargelds werden die Banken mit ihren Handelskunden das Bestellprocedere für die Erstversorgung in Kürze abgeschlossen haben. In der Erste Bank beispielsweise konnten Großunternehmen (mit Filialen) ihre Grobbestellungen bis Ende März 2001 abgeben, die finale Bestellung (Stückelung) sollte bis Mitte Juni erfolgt sein. Klein- und Mittelbetriebe des Handels sollten gegenüber der Ersten bis Mitte Juni 2001 ihre Bestellungen für den Euro-Bargeldbedarf für die ersten 5 Werktage fixiert haben, erklärte Gertrude Hahn von der Erste Bank bei dem Kolloquium des Handelsverbandes. (APA)

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