Menschenhandel vor Gericht: Im Bordell wird schließlich auch getanzt

29. Mai 2001, 20:20
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"Nachtclub-König" Helmuth Süssenbacher steht vor Gericht

Ried - "Wenn eine Prostituierte tanzen will, dann ist mir das auch egal." So rechtfertigte sich der in Ried wegen des Vorwurfs des Menschenhandels zusammen mit 13 anderen Männern vor Gericht stehende "Nachtclub-König" Helmuth Süssenbacher am Dienstag. Die Frauen seien jedenfalls gut behandelt worden, erklärten dazu die Bordellbetreiber.

Die Vorwürfe, den Frauen seien ihre Reisepässe abgenommen worden, wurden zurückgewiesen. Die Pässe hätten die als Tänzerinnen bezeichneten Frauen wohl abgegeben, gestand auch Süssenbacher der Anklage zu. Dies sei nur geschehen, um sie bei Lokalkontrollen zusammen mit Gesundheitspässen griffbereit zu haben, die Dokumente seien in einer offenen Lade aufbewahrt worden.

Süssenbacher blieb bei dieser Aussage, auch als ihm die Tonbandaufzeichnung eines Telefongesprächs vorgespielt wurde, in der der Poker-König mit der Erklärung zu hören war, bei ihm habe keine der Tänzerinnen einen Pass.

Der Vorwurf lautet, die Angeklagten hätten Mädchen aus Rumänien mit dem Angebot nach Österreich gelockt, sie sollten hier als Tänzerinnen arbeiten. Tatsächlich seien sie zur Prostitution gezwungen worden. Die Agenturbetreiber, die die Mädchen angeworben haben, wollen nur Tänzerinnen vermittelt haben. Schließlich werde in Bordellen auch getanzt.

Die Bordellbetreiber stellten dagegen fest, sie hätten Prostituierte gesucht. Als die Frauen nach ihrer Ankunft als Tänzerinnen arbeiten wollten, seien sie über die von ihnen tatsächlich gewünschte Leistung aufgeklärt worden und dazu auch bereit gewesen. Allerdings habe man ihnen gesagt, dass sie andernfalls nach Rumänien zurückfahren müssten. Die Verhandlung wurde auf 25. Juni vertagt. (etz, DER STANDARD, Print-Ausgabe 30. 5. 2001)

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