YLine investiert 10 bis 15 Mill. Euro in Expansion in Nahen Osten

29. Mai 2001, 13:53
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Rechenzentrum in Dubai oder Kairo - Heuer 75 bis 80 Mill. Euro Umsatz geplant

Das börsenotierte Wiener Softwarehaus YLine will 10 bis 15 Mill. Euro (bis 206 Mill. S) in die Expansion in den Nahen Osten investieren. In der zweiten Jahreshälfte soll zwischen Dubai und Kairo als Standort für ein neues Rechenzentrum entschieden werden, sagte YLine-Gründer und -Vorstandschef Werner Böhm am Dienstag nach der Hauptversammlung vor Journalisten. Heuer will das Unternehmen 75 bis 80 Mill. Euro Umsatz erwirtschaften und damit die Analystenerwartungen erfüllen. Im zweiten Quartal 2001 soll ein positives Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT), im 3. Quartal ein positiver Cash-Flow erreicht werden.

Die Expansion im Nahen Osten soll über einen noch zu findenden Partner aus dem Telekom- oder Industriebereich laufen. Der Nahe Osten sei ein Markt, der von IT-Technologie noch schwach besiedelt, für diese aber sehr aufgeschlossen sei, so Böhm.

Die YLine sei nun in einer "Konsolidierungsphase", in nächster Zukunft seien keine größeren Akquisitionen geplant, betonte Böhm. Vor einigen Monaten war die von YLine geplante Fusion mit der Softwareschmiede Beko gescheitert. Im Vorjahr seien durchaus Übernahmen möglich gewesen, jetzt habe sich die Marktlage verändert und der zuvor ausgetrocknete Arbeitsmarkt entspannt.

Die YLine hat derzeit 160 Mitarbeiter, die Zahl soll bis Jahresende durch Effizienzsteigerungen um 5 bis 10 Prozent verringert werden, bemerkte Böhm. Künftig will die YLine das Projektgeschäftes zunehmend an Partner verlagern und auf dortige Arbeitskräfte zurückgreifen. YLine werde sich verstärkt auf das Kerngeschäft Application Service Providing (ASP) konzentrieren, der Umsatzanteil dieses Bereichs soll heuer von 40 auf 60 Prozent steigen, berichtete Böhm.

Frisches Geld erhält die YLine vom US-Fonds Navigator (Dallas), an den laut Vertrag in den nächsten 18 Monaten Aktien im Wert von bis zu 50 Mill. Euro verkauft werden können, so Böhm. Dabei bestehe auch das Recht auf eine Kapitalerhöhung. Durch die im Vorjahr abgestoßenen Bereiche E-Commerce und Internet Service Providing (ISP) habe die YLine im Vorjahr "erheblichen Abschreibungs- und Wertberichtigungsbedarf" gehabt. In der Bilanz 2000 scheinen 12,8 Mill. Euro Stilllegungskosten und 9 Mill. S Abschreibungen für diverse Minderheitsbeteiligungen auf. Der ISP-Bereich wurde auf Null abgeschrieben.

Für das Softwareunternehmen i-online software ag, an der die YLine 20 Prozent hält und weitere 25 Prozent, die sie jüngst erworben hat, an einen neuen, nicht genannten Partner verkauft hat, sieht Böhm "sehr gute Chancen", in der zweiten Jahreshälfte an die Börse zu gehen. Im Zuge des Going-Public sei auch eine Kapitalerhöhung geplant.

Die YLine hat im Jahr 2000 seine Umsätze mit 34,1 Mill. Euro zwar fast verneunfacht, aber nach wie vor rote Zahlen geschrieben. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) wies für 2000 einen Verlust von minus 2,3 (nach minus 5,5) Mill. Euro aus. Das EBIT betrug minus 6,2 (nach minus 5,5) Mill. Euro. Den Verlust vor Steuern bezifferte YLine mit 14,8 (nach 5,5) Mill. Euro, er lag damit im abgelaufenen Jahr mehr als doppelt so hoch.

An der YLine hält 60 Prozent das Management, 4 Prozent gehören der deutschen Metro-Gruppe, der Rest steht in Besitz von Fonds. Die YLine betreibt Rechenzentren in Wien, Klagenfurt, Köln und Kopenhagen. (APA)

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