Ex-Konsum-General wegen betrügerischer Krida vor Gericht

29. Mai 2001, 12:42
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Hermann Gerharter fühlt sich "in keinster Weise schuldig"

Wien - Mit seiner rechtskräftigen Verurteilung im Zusammenhang mit der Konsum-Pleite hat Hermann Gerharter zu leben gelernt. "Es ist meine Verantwortung, dass er nicht gerettet werden konnte. Ich habe es nicht geschafft. Insofern nehme ich Ihr erstes Urteil zur Kenntnis", meinte der ehemalige Konsum-Generaldirektor am Dienstag zu Richterin Claudia Ortner im Wiener Straflandesgericht. Diese war auch die Vorsitzende jenes Schöffensenats, der über Gerharter nach dem Untergang des ehemals "Roten Riesen" im Mai 1999 wegen fahrlässiger Krida zehn Monate bedingt sowie eine Geldbuße von 180.000 Schilling verhängt hat.

Betrügerische Krida

Diesmal ging es um den Vorwurf der betrügerischen Krida, zu dem sich Gerharter "in keinster Weise schuldig" bekannte, wie er gleich zu Beginn betonte. Der mittlerweile 61-Jährige, der es vorzieht, in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten, und bis auf weiteres auf Pensionsauszahlungen verzichtet, soll unmittelbar vor dem Ausgleich des Konsum Schritte in die Wege geleitet haben, um sein Privatvermögen vor zivil- oder strafrechtlichen Haftungsansprüchen Dritter "zu retten", wie Staatsanwalt Erich Müller erklärte.

Privatvermögen

Der Anklage zufolge musste Gerharter nämlich befürchten, die Gläubiger des Konsum würden sich nach der Pleite am Vermögen des Generaldirektors schadlos halten. Dies umfasste immerhin eine Jugendstilvilla mit 13.000 Quadratmetern Grundbesitz in Gießhübl sowie ein - inzwischen verkauftes - Wochenendhaus in der Steiermark. Kolportierter Nettowert: 11,7 Millionen Schilling (850.272 Euro).

Am 30. März 1995 ließ Gerharter für die Villa, die er bereits 1989 bezogen hatte, ein Belastungs- und Veräußerungsverbot ins Grundbuch eintragen, nachdem er sie seiner Frau und den beiden Töchtern "überschrieben" hatte. Damit habe er allfällige Begehrlichkeiten des Gläubiger-Befriedigungsfonds "mit Erfolg abgesichert", so der Staatsanwalt.

Konsumpleite

Lediglich vier Tage später, am 3. April 1995, gab Gerharter dann den Ausgleichsantrag ab. Die Konsum-Pleite ist mit einem Schaden von 2,6 Milliarden Schilling (189 Mill. Euro) die bisher größte der Zweiten Republik.

Trotz der zeitlichen Nähe gäbe es da keinen Zusammenhang, stellte Gerharter nun fest. Er habe nie daran gedacht, das Belastungs- und Veräußerungsverbot eintragen zu lassen, obwohl das von Anfang an "Gegenstand der Familienplanung" gewesen sei: "Ich bin viel zu gutgläubig. Ich war der Meinung, mir kann nichts geschehen. An eine Haftung habe ich nie gedacht."

Als jedoch unübersehbar war, dass er beim Konsum "nicht alt werden" könne, habe ein "innerer Absetzungsprozess" eingesetzt. Gerharter wollte in dieser Situation ein Unternehmen kaufen, beratschlagte sich mit einem befreundeten Anwalt, wobei man auch auf die Villa zu sprechen kam. "Der Doktor hat mir dringend empfohlen, dass ich das mache, was ich längst machen hätte sollen," sagte Gerharter. Er habe "schüchternen Widerstand, ob das jetzt überhaupt noch geht" geübt, der Anwalt habe ihn aber beruhigt: "Es war die absolute Auskunft da, dass da strafrechtlich nichts passieren kann." Deswegen sei er dann zum Notar gegangen.

Ex-Konsum-General von Freispruch überzeugt

"Ich wollte einen schönen Wohnsitz für meine Familie haben. Es ist ein wunderschönes Haus. Ich möchte es erhalten, das ist mein ganzes Lebensziel. Ich habe das verdient", meinte Hermann Gerharter über seine Villa. Sollte es für das Verfahren notwendig sein, sie zu besichtigen, habe er nichts gegen einen Besuch einzuwenden. "Sie sind herzlich willkommen. Nur die Journalisten mag ich nicht haben", sagte er zu Richterin Claudia Ortner.

Gerharter zeigte sich zuversichtlich, dass dieses Strafverfahren ein für ihn gutes Ende nehmen wird: "Ich bin überzeugt, dass sie diesmal einen Freispruch fällen werden. Man kann Menschen nicht mit solchen Scheinargumenten verfolgen." Der Vorwurf, er habe betrügerisch gehandelt, empörte ihn: "Ich habe in meinem ganzen Leben vielleicht drei Strafmandate gehabt!"

Verteidiger Manfred Ainedter legte sich für seinen Mandanten in gewohnter Manier ins Zeug. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ortete er "fernab von jeder Realität". Gerharter habe "nie und nimmer" den Vorsatz gehabt, Gläubiger zu schädigen, die in diesem Fall in Wahrheit gar nicht existieren würden: "Es gibt keine Gläubiger, hat keine gegeben und wird auch keine geben!"

Zur Einvernahme von mehreren Zeugen wurde die Verhandlung auf den 18. Juli vertagt. (APA)

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