Erste Netztarif-Senkungen noch vor voller Marktöffnung im Oktober

29. Mai 2001, 11:58
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E-Control: Außer in Deutschland funktioniert Stromliberalisierung überall

Wien - Die in den Bundesländern Steiermark und Salzburg besonders hohen und damit wettbewerbsfeindlichen Netztarife für die Durchleitung von Elektrizität sollen noch vor der am 1. Oktober kommenden völligen Strommarktöffnung adaptiert, also gesenkt werden. Dies kündigte der Leiter der Elektrizitäts Control GmbH., Walter Boltz, an. Die E-Control bereite diese Netztarif-Anpassung vor, und das dafür noch bis Ende September zuständige Wirtschaftsministerium von Martin Bartenstein (V) werde dann dazu das Verfahren einleiten, sagte Boltz am Montagabend in einem Vortrag im Zigarren & Klub in Wien.

Es sei nämlich nicht zulässig, dass durch ungerechtfertigt hohe Netztarife einem Teil der Kunden in Österreich die freie Wahl ihres Stromlieferanten verwehrt werde, begründete Boltz den Vorstoß. Die steirische Steweag verlangt wie berichtet nach jüngsten Angaben von Haushaltskunden vom gesamten Nettostrompreis von 1,57 Schilling je kWh allein 1,34 S/kWh an Netztarif, womit lediglich 22,7 Groschen/kWh für die reine Energie verbleiben. Ein Unterbieten dieses Strompreises ist anderen Anbietern unmöglich. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so krass, ist die Situation bei der Salzburg AG, die 36,4 Groschen/kWh für die reine Energie und rund 126 Groschen an Netztarif verlangt.

Angleichung in ein bis zwei Jahren

Boltz glaubt aber, dass es insgesamt ein bis zwei Jahre dauern wird, bis die regional stark unterschiedlichen Netztarife wirklich angeglichen sind. Bei der Annäherung werde man zwischen struktur- und effizienzbedingten Unterschieden differenzieren müssen. Es sei nämlich durchaus gerechtfertigt, dass bei Versorgern mit Schwerpunkt im ländlichen Raum die Netzkosten höher sind als etwa in Städten mit hoher Anschlussdichte. Strenger zu kontrollieren sei dagegen die Effizienzfrage. Es könne nämlich nicht angehen, mangelnde Effizienz womöglich durch das Zugestehen von zu hohen Netztarifen zu belohnen.

Während die Stromliberalisierung EU-weit - vielleicht mit Ausnahme Deutschlands - schon recht gut funktioniere, gebe es bei Gas noch ein "Monopolproblem", denn hier fehle ein diskriminierungsfreier Zugang. Während Europa etwa 3.000 bis 4.000 Energieversorger im Stromsektor zähle, seien es bei Gas in Wahrheit nur fünf, sechs "Große". (APA)

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