Der große Fehler der Low-Fat-Diäten

30. Mai 2001, 13:41
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Mediterrane Kost ist angesagt

Chieti - Fett macht fett - Diese von Ernährungswissenschaftern in aller Welt jahrelang gepredigte Warnung entpuppt sich zunehmend als Mythos. "Entscheidend ist weniger die Menge als die Qualität des Fettes", sagte die griechische Medizinerin Antonia Trichopoulou anlässlich des Kongresses "Olive Oil, Well-Being And Ageing" im italienischen Chieti.

Der große Fehler der Low-Fat-Diäten ist, dass dabei nicht zwischen den einzelnen Fetten unterschieden, sondern eine ganz allgemeine Reduktion empfohlen wird. "Während man in Zentral- und Nordeuropa unter Fett Produkte tierischen Ursprungs wie Butter, Schmalz oder Fleisch zusammenfasst, versteht man in Südeuropa darunter aber vor allem Olivenöl", sagte Trichopoulou. Dieses ist ein zentraler Bestandteil der mediterranen Diät - in Kreta etwa bis zu 27 Prozent der täglichen Gesamtkalorien -, die laut diversen Studien zu den gesündesten Ernährungsformen überhaupt zählt.

Eine Reduktion von Olivenöl sei nun gleich aus mehreren Gründen nicht sinnvoll. "Erstens wird das Öl vor allem als Salatmarinade oder zum Kochen von Gemüse verwendet", so die Wissenschafterin. Mit einer Einschränkung würde somit auch weniger Pflanzenkost konsumiert werden. Zweitens sei gerade Olivenöl sehr reich an einfach ungesättigten Fettsäuren, die nachweislich eine Reihe von positiven Effekten auf den menschlichen Organismus haben.

Eine in sieben Ländern (Italien, Ex-Jugoslawien, Niederlande, USA, Griechenland, Finnland und Japan) durchgeführte Langzeit-Studie, an der 15.000 Personen teilnahmen, belegte, dass der Konsum von ungesättigten Fettsäuren - insbesondere im Rahmen einer mediterranen Diät - die Lebensspanne deutlich erhöht. Außerdem wurde ein vorbeugender Effekt für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und sogar für manche Krebs-Arten beobachtet. Die Behauptung, dass der Konsum zu Übergewicht führt, wurde hingegen nicht belegt.

In ihren aktuellen Richtlinien zur Ernährung empfiehlt die Universität von Athen deshalb auch einen Fett-Anteil von bis zu 30 Prozent der Gesamtkalorien. Wobei davon allerdings der größte Teil - 15 Prozentpunkte oder mehr - aus einfach ungesättigten Fettsäuren bestehen sollte. Mehrfach ungesättigte und vor allem gesättigte Säure tierischen Ursprunges sollten nur gemäßigt eingenommen werden.

Im Rahmen der mediterranen Diät sollte der Universität zufolge auch mehr Gemüse, Obst, Fisch und Vollkornprodukte konsumiert werden. Rotes Fleisch verschwindet hingegen beinahe vom Speiseplan. Salz sollte durch Kräuter wie Oregano, Basilikum oder Thymian ersetzt werden. Als Getränke werden Wasser und - in Maßen - Wein angeraten.

Der Empfehlung der europäischen Wissenschafter schlossen sich in ihren jüngsten Richtlinien auch amerikanische Experten an. Auch hier wurde der Anteil von Fett an den täglich konsumierten Kalorienauf bis zu 25 Prozent erhöht - allerdings nur, wenn der Hauptanteil aus ungesättigten Säuren besteht. (APA)

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