Verbund stuft Kelag zurück

29. Mai 2001, 19:10
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Konzern denkt laut über Verkauf der Anteile in Kärnten nach

Wien - Der Verbund denkt nach dem Einstieg der deutschen RWE bei der Kärntner Kelag laut über einen Verkauf seiner Kelag-Anteile (35 Prozent) nach. Für Verbund-Vorstand Herbert Schröfelbauer gibt es aber keinen akuten Verkaufsdruck: "Wir machen keine emotionalen Blindschüsse", sagte er bei einem Hintergrundgespräch am Montagabend.

Das Kelag-Paket sei zu einem reinen Finanzinvestment rückgestuft worden, was nicht der vom Mehrheitseigentümer, dem Bund, gewollten Vorgabe entspreche, nur Mehrheiten zu kaufen.

Noch würde es aber keine Verhandlungen über die Kelag-Anteile geben. Richtschnur für einen Verkaufspreis für die Kelag sei die beim Teilverkauf erstellte Firmenbewertung. Der deutsche Atomstromriese RWE hat für die 31 Prozent der Kelag rund 4,2 Mrd. S auf den Tisch gelegt.

Bartensteins Vorgabe

Brancheninsider meinen, dass in letzter Konsequenz Wirtschaftsminister Martin Bartenstein Mitverantwortung für das Scheitern des Kelag-Deals hat. Der Verbund hat in Kärnten gemäß Vorgabe des Aufsichtsrats (Chef ist Ex-Wienerberger-General Erhard Schaschl) für eine Mehrheit geboten. Bei der Kelag stand aber nur eine Minderheit zur Disposition. Auch bei der Privatisierung der Energie AG Oberösterreich (EAG) sind nur 49 Prozent zu haben. Für Schröfelbauer würde sich nur eine Mehrheit rechnen.

Brancheninsider zweifeln daran, dass eine Ablöse des Verbund-Vorstandes unmittelbar bevorstehe. Zumindest an der Gerüchtebörse für einen neuen Verbund-Vorstand sind die Aktien Schaschls recht tief gesunken. Fix dürfte aber sein, dass sich Bartenstein mit Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider vor dem Zuschlag für die RWE ins Einvernehmen gesetzt hat.
Schröfelbauer bezweifelt aber, dass sich das Engagement für RWE rechnen wird. Bei einer fünfprozentigen Verzinsung des Kapitals müsste die Kelag eine Dividende von über 600 Mio. S erwirtschaften. So viel sei aber kaum drinnen. Für den Verbund hätte es sich dagegen wegen zahlreicher Synergien "gerade noch" gerechnet. "Ich hätte die Kelag gerne gehabt", so Schröfelbauer. Laut Insidern hatte er Interesse, dort in den Vorstand zu gehen. (rose, DER STANDARD, Printausgabe 30.5.2001)

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