Bundesverlag: Gesetz zur Privatisierung noch vor dem Sommer

30. Mai 2001, 20:28
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Residenz Verlag präsentiert noch Saisonprogramm '01

Wien/Salzburg - Der Ministerrat hat am Dienstag den kompletten Verkauf des bislang zu 100% bundeseigenen Österreichischen Bundesverlags (ÖBV) in die Wege geleitet. Der entsprechende Gesetzesentwurf soll im Juni dem Parlament zugeleitet werden, im Finanzministerium geht man von einer Beschlussfassung im Plenum noch vor der Sommerpause aus.

Nach dem Ministerrat wurde verlautet, die Regierung werde sich bei der Vorbereitung der Anteilsveräußerung der "Unterstützung durch professionelle Beratung". Der Finanzminister wird ermächtigt, den Geschäftsanteil des Bundes an der Österreichischer Bundesverlag GesmbH (Stammkapital: 70 Mill. S/ ca. 5 Mill. Euro) "bestmöglich" zu verkaufen.

Zum Zeitplan der Verlagsprivatisierung gab es zunächst keine detaillierten Angaben.

Letzte Solo-Runde von Residenz

Beim Salzburger Residenz Verlag (RV), der wie Deuticke zum Österreichischen Bundesverlag gehört, erwartet man den Verkauf der ÖBV-Gruppe vor Jahresende. Das "einzig ernsthafte Angebot" liege vom deutschen Eichborn Verlag vor, der den Weiterbestand des RV sichern würde, wie Verlagsleiterin Martina Schmidt am Montag bei der Präsentation des Herbstprogrammes erklärte.

Das Bücherspektrum des RV im Herbst kreist um Geburtstage, Jubiläen und Porträts: Ödön von Horvath zum 100. Geburtstag ist eine Monographie (hrsg. von Heinz Lunzer, Victoria Lunzer-Talos und Elisabeth Tworek) gewidmet. Barbara Frischmuth erhält zum 60. einen Porträtband (von Daniela Bartens und Ingrid Spörk) und kehrt somit zumindest für dieses eine Buch vom Aufbau Verlag zurück. Ein "echter" Rückkehrer zum RV ist Gerhard Amanshauser, dessen "Autobiographie einer Jugend" (Untertitel) mit dem Titel "Als Barbar im Prater" erscheinen wird.

"Edition Burgtheater"

"50 Jahre Wiener Festwochen" heißt ein bereits erschienener aufwendiger Text-Bild-Band, der in aufgeklappter Form ein "W" imaginiert. Die Reihe "Edition Burgtheater", die halbjährlich fortgesetzt werden soll, wurde mit einem Porträt von Peter Zadek eröffnet (zum 75. Geburtstag); der zweite Band ist Gert Voss (zum 60.) gewidmet. Vermächtnischarakter hat ein Buch von Lars Brandt, der wenige Monate vor H. C. Artmanns Tod einen Film über den schwer kranken Dichter drehte.

"Fisch. Ein Bericht"

Vom Wiener Christian Stuhlpfarrer stammt der Wohnungs-Überschwemmungs-Report "Fisch. Ein Bericht". Weiters neu im RV-Programm sind die an Woody Allen erinnernde Groteske "Ein Ego kommt selten allein" des Amerikaners Donald Antrim, der Generationenroman "Vaterkind" von Andreas Mand, "Die Farben des Kartographen" von Elizabeth Bishop, die Anthologie "Katzenschnurren" (hrsg. von Ilse Walther), das erste umfassende Lexikon über "210 österreichische Komponistinnen (von Eva Marx und Gerlinde Haas) sowie die zweite Folge des "Kleinen Wörterbuchs der Tonkunst" (hrsg. von Wolfgang Sandner). Der im RV erscheinende Festpiel-Almanach erhält ein Facelift und hat mit Monika Mertl eine neue Redaktion.

Für die Zukunft hofft man beim RV darauf, dass die Eigenständigkeit des Verlages gewährleistet bleibt. Beim "Wunschpartner" Eichborn sei dies der Fall, erklärte Verlagsleiterin Schmidt optimistisch. Mit Jahresbeginn hatte der Frankfurter Verlag bereits den Vertrieb für RV und Deuticke in Deutschland übernommen. (APA)

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