Mütter der Plaza de Mayo erheben schwere Vorwürfe gegen Polizei

29. Mai 2001, 12:12
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Nach brutaler Folter von Tochter der Vorsitzenden

Buenos Aires - Die argentinische Menschenrechtsorganisation "Mütter der Plaza de Mayo" hat schwere Beschuldigungen gegen Polizei, Staat und Regierung erhoben. Bei einer Pressekonferenz am Montag sagte die Vorsitzende der Organisation, Hebe de Bonafini, hinter dem Angriff auf ihre Tochter Alejandra vom vergangenen Freitag stecke die Polizei. Zwei Männer, die sich als Mitarbeiter einer Telefongesellschaft ausgaben, seien in das von ihr und ihrer Tochter bewohnte Appartement in La Plata eingedrungen, hätten die 35-jährige Alejandra Bonafina brutal gefoltert und die Wohnung auf den Kopf gestellt, ohne etwas mitzunehmen.

"Vorbereitete" Operation

Sie selbst habe sich zu der Zeit in Brasilien aufgehalten. Laut einem Rechtsberater der Organisation wollten die beiden Männer eigentlich die 72-jährige Mutter des Opfers verschleppen. Vor dem Haus habe dazu ein Auto bereitgestanden. Die "Operation", die sich in der Nähe eines Polizeikommissariats abgespielt habe, sei gut vorbereitet gewesen.

Die Chefin der Menschenrechtsorganisation machte den Staatspräsidenten Fernando de la Rua und den Gouverneur der Provinz Buenos Aires, Carlos Ruckauf, persönlich für den Vorfall verantwortlich. Die beiden, die "korrupten Richter" sowie die "Gewerkschaftsbürokraten" seien schuld daran, dass nichts gegen die Polizisten und Folterer unternommen werde und dass die Mörder der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 nach wie vor frei herumliefen. Die beiden Söhne von Hebe de Bonafini und ihre Schwiegertochter sind unter der Diktatur spurlos verschwunden. Menschenrechtsorganisationen zufolge wurden unter der Gewaltherrschaft bis zu 30.000 Menschen gefoltert, verschleppt und ermordet.

Seit 1977

Die "Mütter der Plaza de Mayo" traten erstmals im März 1977 in Erscheinung, als eine Gruppe von 14 Frauen vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires von der damaligen Militärjunta Aufklärung über das Schicksal ihrer verschwundenen Kinder forderte. 1985 wurden Mitglieder der Junta wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Unter dem damaligen Präsidenten Carlos Menem wurden sie jedoch fünf Jahre später amnestiert. Die Mütter der Plaza de Mayo demonstrieren jeden Donnerstag auf dem Platz in Buenos Aires. 1999 wurde die Menschenrechtsorganisation mit dem Preis für Friedenserziehung der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) ausgezeichnet. (APA)

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