Online auf Schnorrer-Tour um die Erde

29. Mai 2001, 10:32
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Niederländer lässt sich über das Internet einladen

Ramon Stoppelenburg hat einen Weg gefunden, die Welt zu sehen - ohne dabei Geld auszugeben. Ganze 350 Schilling für die Registrierung einer Internet-Seite und eine genial einfache Idee - mehr hat er sich die Erfüllung seines Traumes nicht kosten lassen. Auf seiner Homepage Let me stay for a day bittet der 24-jährige Niederländer die global vernetzte Internet-Gemeinde einfach darum, ihn für einen Tag einzuladen.

Mit hunderten Adresse startete die Reise

Sechs Wochen später startete der findige Globetrotter am 1. Mai von seiner Heimatstadt Hilversum aus per Anhalter in ein spannendes Reiseabenteuer. Außer ein wenig Kleidung und einem billigen Fotoapparat hat er seinen Laptop als wichtigstes Gepäckstück im Rucksack: Darin sind hunderte Adressen von Menschen aus aller Welt gespeichert, die Ramon ein Quartier anbieten.

Mehr als 1.000 Einladungen

"Ich habe mehr als 1.000 Einladungen aus 64 Ländern im Gepäck", freut sich Ramon. "Wenn das so weiter geht, bin ich drei bis vier Jahre unterwegs." Wenn nichts dazwischenkommt. Das Reisebudget des jungen Globetrotters ist nämlich "gleich Null". "Am ersten Tag, an dem ich Geld ausgeben muss, ist die Tour vorbei." Einen Reiseplan hat der 24-Jährige nicht. Seine Etappen richten sich nach den Einladungen und vorwärts kommt Ramon per Anhalter. Zweimal täglich loggt er sich ein, um neue Nachtlager klar zu machen. Als Gegenleistung für die Gastfreundschaft bietet Ramon ohne Ende Gesprächsstoff über seine Erlebnisse und Reisebekanntschaften.

Betteln via Internet war ein Hit

Mit seiner Idee ließ sich Ramon von einem anderen gewitzten Internet-Nutzer inspirieren: Die Homepage Envoy me a dollar (Schickt mir einen Dollar) des US-Nutzers Rich Schmidt war ein überwältigender Erfolg. "Wenn du im Internet betteln kannst, warum nicht auch nach einem Schlafplatz", fragte sich der Niederländer.

Medien zeigten großes Interesse

Bereits am Tag der Freischaltung seiner Internet-Seite liefen die ersten Angebote ein und schon bald konnte er sich vor Einladungen nicht mehr retten: In den ersten Tagen flatterten rund 200 elektronische Einladungen täglich in seine Mailbox. Auch die Medien standen Schlange und wollten den findigen Online-Backpacker kennen lernen.

Franzosen meiden scheinbar englische Webseiten

In Frankreich kam er nicht so recht voran, weil viele Internet-Nutzer seine englischsprachige Seite nicht lesen können: Mit landesweit nur 20 Einladungen müsste er etwa von Paris ins südfranzösische Toulouse kommen, und das ist zu weit für eine Autostopp-Strecke.

Afrika wird trotz fehlender technischer Infrastruktur bereist

Ein schwarzer Fleck auf seiner virtuellen Reiseroute ist Afrika: Eine Einladung aus Ghana und eine Handvoll aus Südafrika machen deutlich, dass der Kontinent für Ramons Reiseidee technisch noch nicht gerüstet ist. Dagegen könnte er sich seine Übernachtungsmöglichkeiten im angelsächsischen Raum, aber auch in Indien und China aussuchen: "Sobald ich den Fuß auf den Boden der USA setze, will mich Jay Leno in seiner Talkshow haben."

Unternehmen finanzieren den Trip mit

Auch über die Kosten für sein Flugticket ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten muss sich Ramon keine Sorgen machen: Mehrere Unternehmen wollen ihm den Trip finanzieren, wenn sie sich im Gegenzug auf ihren Internet-Seiten mit seinem Namen schmücken dürfen. Selbst in Hotels könnte er kostenlos übernachten. Wo er die letzte Nacht seiner Weltreise verbringen will, weiß Ramon bereits: "Im Weißen Haus. Ich werde George W. Bush persönlich sagen: 'Laden Sie mich für einen Tag ein.'" (Von Michel Moutot/AFP)

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