Hofmanns Empfehlungen

30. Mai 2001, 11:41
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Das ist eine rein hypothetische Geschichte. Erstunken, erlogen, frei erfunden und hinspinntisiert. Weil es keine Frau Hofmann gibt. Gar nicht geben kann. Darum ist mir eine etwaig doch existierende Frau Hofmann auch sicherlich nicht böse, wenn hier ihr Name steht. Hat echt und ehrlich nichts mit ihr zu tun. Wie auch?

Denn die - erfundene - Frau Hofmann vermittelt Personal. Steuer- und sozialversicherungs-, aber doch nicht ganz abgabenfrei: Kindermädchen, Putzfrauen, Babysitterinnen - die kleinen Geister, die man braucht und die zu finden gar nicht so einfach ist. Schließlich ist das eine ziemliche Vertrauenssache, jemand wildfremden an eigene Kinder oder Sachen zu lassen. Noch dazu in Wiens bessern Kreisen. Wienerwaldrand-, Cottage- oder Villenlage und Gartengarage bevorzugt. Da hilft es, Frau Hofmann zu kennen. Dumm, dass es sie nicht gibt.

Frau Hofmann hätte nämlich nicht nur hervorragende Kontakte nach Polen (für andere EU-Beitrittsländer wären ein paar Freundinnen aus ebenfalls allerbesten Wiener Kreisen zuständig, aber diese Phantasie weiterzuspinnen würde ein bißchen sehr weit führen) sondern auch zu den österreichischen Grenzbehörden und zur österreichischen Botschaft in Warschau. Innenministerium, Fremdenpolizei oder MA 62 sowieso.

So könnte man sicher sein, dass ein von Frau Hofmann empfohlener polnischer Geist nie Probleme macht. Fein. Oder?

Noch dazu, wo Frau Hofmann praktisch gratis vermittelt. Für die Arbeitgeber. Und den Mädchen selbst knöpft Frau Hofmann keinen allzu großen Anteil ab: Zehn Prozent sollten einer immerhin illegal werkenden Frau die Sicherheit, weder an der Grenze behelligt, noch in Wien kontrolliert oder drangsaliert und - falls zu viele Einreisestempel im Paß einmal auffallen könnten - hin und wieder bei polnischen Behörden ohne allzu große Schwernisse ein neues Reisedokument zu bekommen, schon Wert sein.

Um den Verwaltungsaufwand zu minimieren, verrechnet die Frau Hofmann ihre zehn Prozent für alle Tätigkeiten ihrer Schutzbefohlenen. Es wäre schließlich ein zu großer Verwaltungsaufwand zu unterscheiden, ob jeder zehentpflichtige Job tatsächlich durch ihre Vermittlung zustande gekommen ist: und schließlich könne ein Kindermädchen, das privat weiter empfohlen wird, ja auch nur weitergereicht werden, weil sie, die Frau Hofmann, einen behördenkomplikationsbefreiten Erstkontakt ermöglicht hat. Und - aus Gründen der schlanken Bürokratie - gilt Hofmanns Satz auch für alle anderen Putz- und sonstwie dienstbaren weiblichen Geister aus dem schönen Polen: Sobald Frau Hofmann von ihnen erfährt, genießen sie ihren Schutz. Und der ist allemal zehn Prozent des Einkommens wert. Man weiß schließlich, wie lästig österreichische Grenzer sich bei der Einreise gegenüber Nicht-EU-Angehörigen verhalten können.

Aber Frau Hofmann gibt es nicht. Ganz bestimmt nicht.

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