Weingartners "Kronprinz" unter Druck

28. Mai 2001, 23:06
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Ferdinand Eberle wird in der Tiroler ÖVP als Auslöser der schweren Krise angesehen

Innsbruck - In der Tiroler ÖVP wird erstmals offen Parteiobmann Ferdinand Eberle für die derzeitige schwere interne Krise verantwortlich gemacht und versucht, den Auslöser der Krise, die umstrittene Entscheidung über die Zukunft der landeseigenen Hypo-Bank von der ausgebrochenen Personaldebatte zu trennen. Noch letzte Woche war von "Dissonanzen" zwischen Eberle und Landeshauptmann Wendelin Weingartner die Rede.

Die offene Kritik am Führungsstil von Eberle, der erst im April zum Nachfolger von Weingartner designiert wurde, formuliert VP-Klubchef Klaus Madritsch, der nach dem internen Zerwürfnis die Moderatorenrolle bis zur Parteiklausur nächsten Dienstag übernommen hat. In einer Aussendung des Klubchefs heißt es: "Bei der durch das Verhalten des Parteiobmannes ausgelösten Personalfrage diskutieren wir derzeit sachlich und nüchtern über die Anforderungen, denen sich die wichtigsten Repräsentanten des Landes Tirol stellen müssen. Dabei reden wir über die Eigenschaften und Kompetenzen, die notwendig sind, ein Land wie Tirol erfolgreich und verlässlich auch in der Zukunft zu führen."

Alleingang Eberles

Die Anspielung gilt Eberles "Verhalten" Sonntag vor einer Woche, als sich der VP-Chef ohne interne Absprache gegen die geplante Holding der Hypo mit der Südtiroler Sparkasse positionierte, obwohl drei VP-Exponenten bereits eine Lösung suchten, die es Eberle ermöglichen sollte, der in Gutachten favorisierten Holding ohne Gesichtsverlust zustimmen zu können.

Eberle wollte die Aussendung "nicht kommentieren" und meinte auf die Frage, ob Madritsch Kompetenzen überschritten hätte: "Da müssen Sie ihn fragen." Madritsch war wie die meisten VP-Exponenten nicht zu sprechen. "Keine Kompetenzüberschreitung" sieht Landesrätin Elisabeth Zanon zur Nedden, die wie Kulturlandesrat Günther Platter Eberles Alleingang kritisiert hatte. "Verwundert" hingegen ist Bauernbundchef Toni Steixner. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 29. 5. 2001)

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