Die Grundlagen der Doppelhelix stammen von einer Frau

29. Mai 2001, 20:13
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Rosalind Franklins Unterlagen von männlichen Wissenschaftern gestohlen

Als James Watson, Francis Crick und Maurice Wilkins 1962 für die Entdeckung der DNA-Struktur den Nobelpreis erhielten, wurde Rosalind Franklins Beitrag nicht gewürdigt. Denn die Tatsache, dass sie die Grundlage des Modells entwickelt hatte, war bis zu diesem Zeitpunkt einer breiteren Öffentlichkeit vorenthalten worden. Erst durch Watsons Buch „Die Doppel-Helix“ wurde – leider in anekdotenhafter und sexistischer Form – die Arbeit Franklins allgemein bekannt.

Strukturmerkmale des DNA-Moleküls

Schon 1947 hatte sie als Expertin für Röntgenstrukturanalyse eine Methode entwickelt, um große biologische Moleküle zu untersuchen. Daraufhin lud sie John Randall ans Londoner King´s College, um die DNA zu erforschen.

1951 gelang der Londonerin die Bestimmung zweier wesentlicher Strukturmerkmale für das DNA-Molekül: die Spiralform und eine Anordnung, in der zwei Molekülketten aus Zucker- und Phosphatgruppen nach außen gewandt sind, während die Nukleinbasen zwischen diesen Ketten liegen.

Grundlagen für Doppelhelix

Ohne Rosalinds Wissen hatten sich Watson und Crick Zugang zu ihren Röntgendaten verschafft, die sie dazu nutzten, das berühmte Modell der Doppelhelix zu bauen. In dem 1953 in der Zeitschrift „Nature“ publizierten Artikel wurde Franklins Anteil nicht erwähnt. Ebensowenig in den Wissenschaftsannalen, wo so getan wurde, als sei die Erforschung der Doppelhelix durch die beiden Männer zufällig und ohne Kenntnis von Franklins Forschung parallel entstanden.

Tabakmosaik-Virus

Im selben Jahr ging Franklin an das Londoner Birkbeck-College, wo sie am Tabakmosaik-Virus forschte. Aufgrund ihrer hervorragenden Präparations- und Aufnahmemethode gelang es ihr, die Spiralstruktur dieses Virus aufzuzeigen. Gemeinsam mit Wissenschaftern aus Thübingen und den USA konnte sie beweisen, dass es sich dabei nicht – wie bisher angenommen – um einen kompakten Viruspartikel, sondern um ein Teilchen in Form eines Hohlzylinders handelt. Bereits an Krebs erkrankt, arbeitete sie bis zu ihrem Tod 1958 – erst 38 Jahre alt – an der Aufklärung der Virusstruktur weiter. (dabu)

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