Geschlecht bei HIV-Raten unter Drogensüchtigen entscheidend

28. Mai 2001, 22:18
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Risikoreiches Sexualverhalten spielt die Schlüsselrolle

Baltimore - Die HIV-Risikofaktoren bei spritzenden Drogensüchtigen unterscheiden sich deutlich nach Geschlecht. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie von Wissenschaftlern der Johns Hopkins University gekommen. Bei Männern sind ein drogenbedingtes Risikoverhalten und homosexuelle Aktivitäten die wichtigsten Prädikatoren für eine HIV-Serokonversion. Bei Frauen spielt ein risikoreiches Verhalten im heterosexuellen Bereich die Hauptrolle.

Zwischen 1988 und 1998 untersuchte das Team um Steffanie Strathdee drogenbedingte und sexuelle Risikofaktoren für eine HIV-Übertragung bei injizierenden Drogensüchtigen in Baltimore. Die mehr als 1.800 Teilnehmer waren 18 Jahre oder älter und zum Zeitpunkt der Registrierung nicht aidskrank. Mittels halbjährlicher Interviews sammelten die Forscher Daten zur Geschichte des Drogenmissbrauchs, Soziodemographie, Drogenkonsum und sexuellem Verhalten. Zusätzlich wurden bei jedem dieser Termine Blutproben gesammelt.

Für die Feststellung einer HIV-Ansteckung wurden HIV-Tests und das ELISA-Verfahren eingesetzt. Der stärkste Prädikator für eine Serokonversion war bei männlichen und weiblichen Teilnehmern ein risikoreiches Sexualverhalten. In letzter Zeit homosexuell aktive männliche Drogenabhängige waren viermal gefährdeter mit HIV infiziert zu werden. Bei den Frauen waren Indikatoren risikoreicher heterosexueller Aktivitäten entscheidender für eine Infektion als die gemeinsame Nutzung von Injektionsnadeln. Die HIV-Häufigkeit war bei Frauen doppelt so hoch, die in der letzten Zeit mit anderen injizierenden Drogenabhängigen geschlafen hatten.

Bei beiden Geschlechtern spielte zusätzlich das Alter als Prädikator eine Rolle. Jene, die bei der Registrierung 30 Jahre oder jünger gewesen waren, wurden doppelt so wahrscheinlich infiziert als Vierzigjährige oder Ältere. Alan I. Leshner, Direktor des National Institute on Drug Abuse (NIDA) erklärte, dass frühere Studien davon ausgegangen waren, dass die meisten HIV-Infektionen auf die gemeinsame Nutzung von Injektionsnadeln zurückzuführen seien. "Diese Studie beweist jedoch, dass bei dieser Gruppe von Drogenabhängigen eine geschlechtsspezifische Intervention in der Behandlung notwendig ist." (pte)

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