Implantation eines (hoffentlich) dauerhaften Kunstherzens in Deutschland

28. Mai 2001, 22:02
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Bisher boten nur Spenderherzen eine langfristige Chance

Freiburg - An der Universitätsklinik Freiburg ist die Implantation eines "Kunstherzens" gelungen, das die Herzfunktionen im Körper auf Dauer aufrecht erhalten soll. Eine derartige Unterstützungspumpe sei erstmals in Deutschland eingesetzt worden, sagte der Chirurgische Leiter der Universitätsklinik, Friedhelm Beyersdorf, heute, Montag in Freiburg. Bislang habe schwerkranken Herzpatienten auf lange Sicht nur durch die Transplantation eines Spenderorgans geholfen werden können. Der seit zehn Jahren an einer Herzmuskelstörung leidende Patient habe den vierstündigen Eingriff gut überstanden.

Das in Houston, Texas, entwickelte System mit dem Namen "Jarvic 2000" wird in die Spitze der linken Herzkammer eingebracht und durch einen Schlauch mit der absteigenden Hauptschlagader verbunden. Dadurch werde von vornherein verhindert, dass eventuell auftretende Blutgerinnsel die Blutzufuhr zum Gehirn blockieren könnten, betonte Beyersdorf. Die Gefahr einer Gerinnselbildung sei ohnehin gering, da das Gerät keinen Ansaugschaft besitze, der die Bildung von Blutpfropfen fördere.

Die nur daumengroße elektrisch angetriebene Turbine mit einem Gewicht von 90 Gramm kann den Angaben zufolge bis zu sechs Liter Blut pro Minute durch den Körper pumpen. Die Energie für das neuartige "Kreislaufunterstützungssystem" werde über einen Stecker am Ohr in ein unter der Haut verlegtes Kabel geleitet. Anders als bei Verbindungsbuchsen am Bauch sei am Kopf die Infektionsgefahr "praktisch nicht vorhanden", sagte der Herzspezialist. Der Patient trage eine Umhängetasche mit Batterien, die spätestens nach 48 Stunden ausgewechselt werden müssten. Damit könne der Betroffene fast ein ganz normales Leben führen. Das "Dauerherz" wurde erstmals vor elf Monaten in Großbritannien implantiert. (pte)

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    foto: nasa
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