Petritsch: Kosovoalbaner "noch nicht reif für weitergehende Zugeständnisse"

28. Mai 2001, 21:52
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Bosnien als Modell für Lösung in Mazedonien vorgeschlagen

Wien - Der internationale Bosnien-Beauftragte Wolfgang Petritsch hält für Mazedonien eine politische Lösung für zielführend, die der in Bosnien gleichkommt. In einem Interviewe mit der "Presse" meint Petritsch. "Man wird zu einer Lösung kommen müssen, in der es eben zwei konstitutive Völker gibt, etwa nach dem Vorbild Bosniens, wo es davon drei gibt."

Trotz der gegenwärtigen Kämpfe zwischen Regierungstruppen und albanischen Separatisten sind für Petritsch "durch die rasche Reaktion der EU die Voraussetzungen für eine friedliche Lösung aber immer noch intakt. Die Albaner haben einen legitimen Anspruch auf Anerkennung ihrer Volksgruppe auf einer höheren Stufe. Das ist aber Sache von Verhandlungen zwischen den beiden Volksgruppen." Neben politischen Lösungsansätzen sei es "wichtig, die Rebellen zu isolieren, um damit die militärische Lösung eines politischen Konfliktes zu verhindern. Da die Erfahrung des demokratischen Kompromisses in dieser Region nicht vorhanden ist, ist der Glaube an militärische Lösungen so überwältigend und die eigentliche Crux der Sache."

Zur Kritik der Kosovo-Albaner, dass das kürzlich vom UNO-Verwalter Hans Häkkerup präsentierte Grundgesetz für den Kosovo keine Abhaltung eines Unabhängigkeitsreferendums enthält, meint Petritsch: "Die kosovoalbanische Führung hat durch ihre Reaktion auf Flucht und Vertreibung der Serben bewiesen, noch nicht reif für weitergehende Zugeständnisse zu sein. Solange die Albaner nicht klar die Rechte der Serben anerkennen, kann es auch keine Schritte hin zu Autonomie und Selbstregierung geben." (APA)

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